Im Fremden bei sich
Ist das Fremde mir bekannt/ So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes», sagt Jason in Grillparzers «Goldenem Vließ», als er Medea seine Liebe gesteht. «Ich selber bin mir Gegenstand geworden.» Sich selbst aus der Perspektive des Fremden sehen und so sich selbst erkennen – so könnte man Karin Beiers Spielzeitrezept formulieren, das sie den Kölnern im ersten Jahr ihrer Intendanz verordnet hat. Ihre Inszenierung der Grillparzer-Trilogie ist der vorläufige Höhepunkt dieses Konzepts.
«Misslungen» sei das Werk, meinte Grillparzer selbst 1822 über «Das Goldene Vließ».
Und lange wurde es kaum gespielt. Tom Lanoyes «Mamma Medea» von 2002, die auf den hellenistischen Argonauten-Roman des Apollonius von Rhodos zurückgriff und so, wie Grillparzer, die Vorgeschichte des Medea-Mythos nachlieferte, und Stephan Kimmigs Burgtheater-Inszenierung von 2004 brachten dann eine Welle von Inszenierungen in Gang. Man begriff, welch brisante Modernität in diesem ungeliebten Monstrum eines in Deutschland fast vergessenen Klassikers liegt. Die allseits bekannte «Medea» des Euripides zeigt ein Ehedrama, in dem Medeas fremdländische Herkunft eine Komplikation unter anderen ist. Erst wenn Medeas Geschichte von ...
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