An der Schmelzgrenze

Das Londoner National Theatre hat Simon Stephens’ «Harper Regan» uraufgeführt

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Harper Regans Vater liegt im Sterben. Sie will ihn besuchen. Da ihr Mann, so Harper, «nicht arbeiten kann» und ihr Boss ihr nicht freigibt, riskiert sie ihren Job, den Unterhalt und den Zusammenhalt ihrer Kleinfamilie, als sie ohne Abschied von Uxbridge zu ihren Wurzeln nach Stockport aufbricht. 
 

Schon in «One Minute», einem seiner ersten Stücke, stellte Simon Stephens ein entsetzliches Ereignis ins stille Zentrum – den Unfalltod eines Kindes –, mit dem alle Figuren sich fast unausgesprochen auseinandersetzen.

In seinem letzten, «Pornographie», umtanzen Mono- und Dialoge leise eine Katastrophe. Und auch Harpers Ausbruch aus ihrem scheinbar sehr normalen Dasein hat seinen Grund in einer dunklen, verschwiegenen oder nett umschriebenen seismischen Familienverwerfung. Ihre Tochter, die für’s Abi Geografie lernt, betet dem Vater runter, bei welchen Temperaturen Gletscher schmelzen. Harper (Lesley Sharp) hat offensichtlich ihre emotionale Schmelztemperatur erreicht und beschließt, sich und ihr gefrorenes Leben in Bewegung zu setzen.
 

Stephens wählt die klassische Struktur der Reise bzw. Irrfahrt, von der Harper, kathartisch gereift, mit realistischerem Blick, zurückkommt. Und vielleicht ...

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Theater heute August/September 2008
Rubrik: Akteure, Seite 67
von Patricia Benecke

Vergriffen
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