Im Auge des Widerspruchs
Es gibt Menschen, die sagen zu ihrer Frau «Mutti». Und es gibt Menschen, die müssen zu ihrer Frau nicht mal «Mutti» sagen, es stimmt auch so. Solche Menschen hat das Leben so nah zusammengeführt, dass ihnen vor nichts mehr graust. Schon gar nicht vor ihren Liebsten.
Gretschke und Mechthild beispielsweise, die sich gerne in Niederlausitzer Mundart unterhalten, ein schwer zungenrollender Dialekt, der nicht durch übermäßig komplizierten Satzbau auffällt. Die beiden haben einiges zusammen erlebt, viel DDR, eine Wende, danach noch mehr Probleme und wenig Lösungen.
Mit einem Handy kann Mechthild ihren Gretschke noch glücklich machen. Oder Lothar Ackermann und Horst Paschke, auch zungenrollende Niederlausitzer, die vom Getränkehandel über den Gebrauchtwagenversand bis zum Videosexshop alle Versprechungen der Marktwirtschaft gekostet haben, bis die Marktwirtschaft die beiden endgültig vor dem Arbeitsamt ausgekotzt hat. Wer daran die Schuld trägt, ist schwer zu sagen, schließlich waren Lothar und Horst zuerst da. Die Marktwirtschaft sieht das naturgemäß anders.
Oliver Bukowski hat diesen Menschen in den neunziger Jahren ein Dutzend Stücke geschrieben, allesamt traurig-grelle Farcen, die ...
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