Illustrationen der Sinnlosigkeit

Am Hamburger Thalia Theater und im Schauspiel Köln inszenieren Michael Thalheimer und Pinar Karabulut Franz Kafkas «Der Prozess»

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Ein Mann steht splitternackt auf der dunklen Bühne. Nackt und unschuldig, so, wie wir alle auf die Welt kommen. Merlin Sandmeyer spielt in Hamburg dieses unbeschriebene Blatt, das der Versicherungsprokurist Josef K. gewesen sein mag, bevor er eines morgens in Anwesenheit zweier fremder Männer erwacht, die ihm mitteilen, dass er verhaftet sei. Sandmeyer zieht ein Kleidungsstück nach dem anderen an, während die in vier Segmente geteilte Drehbühne kreist wie ein Mahlwerk (Bühne Hendrik Ahr) und doch fast flüssig wirkt unter den psychedelischen Farbprojektionen von Rasmus Rienecker.

Da lugt auch schon Johannes Hegemanns freundlicher Wärter Franz durch ein Loch in der Wand, während im Hintergrund sein Kollege Willem (Falk Rockstroh) irre lacht. Warum verhaftet, wozu und von wem? Die Wärter, die ganz am Ende der Inszenierung zu Henkern werden, wissen es selbst nicht.

In Köln sieht dieselbe Szene ganz anders aus. Auf einer Projektionsfläche in Form eines überdimensionalen platten Faltkartons ist K.s Zimmer aus verschiedenen Perspektiven wie in einer Computeranimation zu sehen: von der Seite, von oben, mit Blick auf die Tür. Es sieht so clean und unpersönlich aus wie von einer KI ...

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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Eva Behrendt

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