«Ich nehme meine Figuren todernst»
Wenn es nicht mehr deprimierender geht, falsche Entscheidungen, Abschiedsschmerz, Tod, das volle verfluchte «Alkestis»-Programm, dann entsteht plötzlich auf der Bühne ein violett glitzernder Energie-Wirbelwind: Anne Rietmeijers Alkestis tanzt und tanzt, in den Lebensminuten, bevor sie für ihren Mann Admetos in den Tod gehen wird.
Was soll sie auch tun, wenn als Begleitmusik zum mythenschweren Heldinnen-Tod plötzlich Vicky Leandros’ «Ich liebe das Leben» aus den Lautsprechern scheppert?
Zwei, drei tastende Tanzschritte, eine kleine Drehung – und dann kein Halten mehr: Sie wirft die Arme und Beine wie ein Teenager auf MDMA, springt, strahlt, läuft im Boogie-Style auf der Stelle, immer in Blickkontakt mit ihren Kindern (Ann Göbel, Dominik Dos-Reis). Sie tanzt ausgelassen für sie und mit ihnen und erfindet pathetische Ausdruckstanz-Moves: «Nein, weine nicht um mich …» bekommt ein komisch theatralisches Kopfschütteln, «… das geht vorüber …» eine ausholende Wegwerfgeste, und das finale «... sicherlich!» fixiert sie in Elvis-Pose mit den Zeigefingern in der Luft. Ihr zuzusehen tut weh und gut und rührt zu Tränen.
Das Lied sei für sie ein Schlüssel gewesen, erzählt Anne Rietmeijer im ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Cornelia Fiedler
Sehr viel haben sie sich vorgenommen – nichts weniger als eine komplett veränderte Definition dessen, was Theater sein kann und sein soll. Dafür aber muss das Theater, wie es ist, zerstört werden – zunächst als Raum: Weg mit den historischen Sälen und der Teilung von Bühne und Zuschauerraum, in Südamerika in der Regel orientiert am alten «Teatro Italiano»,...
Mütter und wir haben keine Angst.» So erheben über zwanzig ukrainische, belarussische und polnische Frauen ihre Stimmen gegen den Krieg in der Ukraine. Sie alle sind geflohen, leben im Exil. Die polnische Theatermacherin Marta Górnicka hat mit ihnen einen Chor gegründet, am Teatr Powszechny in Warschau. In Kooperation mit dem Berliner Maxim Gorki Theater entstand...
Günther Rühle war es, der sich am meisten für mich nach meinem Tod eingesetzt hat. Ich bin 1948 in Hamburg gestorben, aber er hat viel zu meiner Wiederauferstehung in Deutschland beigetragen. In «Theater für die Republik» im Spiegel der Kritik 1917–1925 und 1926–1933 (1967 und 1988 bei S. Fischer erschienen) schrieb Rühle, sein Ziel sei ein erster Versuch zu...
