Gegenkritik: Sebastian Hartmanns Wiener

Sebastian Hartmanns Wiener «Romeo und Julia»-Inszenierung hat böse Verrisse bekommen – eine Antwort

Theater heute - Logo

Nach den Verrissen kommen die SMS, die Anteilnahmen auf der Mailbox. «Wie ist es denn gelaufen?», fragen die Diplomaten, «Was war denn los?» die, die es sportlich nehmen und eine Formkrise des Regisseurs vermuten. Am besten aber sind die Einfühlsamen, die sich selbst geschockt geben, weil sie die Verrisse für ein Abbild der Inszenierung und für bare Münze nehmen.

Montags der obligatorische Pressespiegel in allen Dramaturgien des deutschsprachigen Raums. Fleißig wird studiert, was bei den Kollegen denn so los war.

Lies mal hier, der ist am Deutschen Theater ja wieder richtig eingebrochen. Irgendwie ist am Verriss des jeweils anderen dann doch was dran. Geht es um die eigene Arbeit, laufen die Betroffenen schon mal rot an vor Zorn. Man wurde wieder mal völlig missverstanden, steht kurz vor der Klage.

Viele Kritiken lesen sich wie Mahnschreiben vom Finanzamt. Sie sind mit jenen immer gleichen Floskeln und genau der gelangweilten Larmoyanz geschrieben, die sie dem eigentlichen Ärgernis auf der Bühne vorhalten. Romeo und Julia an der Burg, auf der Bühne, vor der Klagemauer: Alles schon mal gesehen, «Castorf-Schüler», «miserabel gespielt» (Die Welt), «Gammeltheater» (Süddeutsche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2007
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Sebastian Hartmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Glück, Sex und Weltfrieden

Was macht eigentlich Sinn? Liebe, Arbeit, Kinderkriegen? Drogen, Party, Vögeln? Oder doch mehr Gott, Attac, Weltfrieden? Jugendliche, die noch die freie Auswahl haben, sind nicht zu beneiden. Das findet auch Anja Hilling und zeichnet in ihrem neuen Stück «Sinn» ein paar extreme Konflikte nach, mit denen Jugendliche auf das kapitalistische Sinn- und menschliche...

Das Kölner «Nibelungen»-Plakat

Liebe Kölner, bitte wegsehen!

Dieses Plakatmotiv zu Karin Beiers Eröffnungsinszenierung von «Die Niebelungen» darf in Köln nicht gezeigt werden. Die städtische Außenwerbung verweigerte die Hängung und bezeichnete das Plakat als «geschmacklos» und «gewaltverherrlichend». Das Büro des Oberbürgermeisters sowie Kulturdezernent Georg Quander sprachen zunächst eine...

Zickenradau und Zombierequiem

Elfriede Jelineks Wortstrom zu «Ulrike Maria Stuart» ist erklärtermaßen für alle theatralen Einfälle offen und in seiner Gänze ohnehin nicht zu bewältigen. Welche enormen Unterschiede mit einer gar nicht so unterschiedlichen Strichfassung zu erreichen sind, zeigen zwei orts- und zeitnah herausgekommene Versionen: In Freiburg inszenierte Michael Simon, der vor zwei...