Gegenkritik: Sebastian Hartmanns Wiener
Nach den Verrissen kommen die SMS, die Anteilnahmen auf der Mailbox. «Wie ist es denn gelaufen?», fragen die Diplomaten, «Was war denn los?» die, die es sportlich nehmen und eine Formkrise des Regisseurs vermuten. Am besten aber sind die Einfühlsamen, die sich selbst geschockt geben, weil sie die Verrisse für ein Abbild der Inszenierung und für bare Münze nehmen.
Montags der obligatorische Pressespiegel in allen Dramaturgien des deutschsprachigen Raums. Fleißig wird studiert, was bei den Kollegen denn so los war.
Lies mal hier, der ist am Deutschen Theater ja wieder richtig eingebrochen. Irgendwie ist am Verriss des jeweils anderen dann doch was dran. Geht es um die eigene Arbeit, laufen die Betroffenen schon mal rot an vor Zorn. Man wurde wieder mal völlig missverstanden, steht kurz vor der Klage.
Viele Kritiken lesen sich wie Mahnschreiben vom Finanzamt. Sie sind mit jenen immer gleichen Floskeln und genau der gelangweilten Larmoyanz geschrieben, die sie dem eigentlichen Ärgernis auf der Bühne vorhalten. Romeo und Julia an der Burg, auf der Bühne, vor der Klagemauer: Alles schon mal gesehen, «Castorf-Schüler», «miserabel gespielt» (Die Welt), «Gammeltheater» (Süddeutsche ...
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