Das Schosshündchen
Ferienende in Frankreich: Die rentrée littéraire steht trommelwirbelnd und trompetenschmetternd ante portas. Nicht weniger als 727 belletristische Salven wird die Armada der versammelten Verlage bis November auf Publikum und Presse abfeuern. Zu den schwersten Geschossen zählt «L’ aube le soir ou la nuit» (Flammarion) von Yasmina Reza, das einen völlig unverhältnismäßigen medialen Hype entfacht hat. Manche sahen das Werk gar schon als Laureat des Prix Goncourt, bis die Jury solcher Gerüchtekocherei ein Ende setzte, indem sie den Text nicht auf ihre erste Auswahlliste aufnahm.
Während eines ganzen Jahres, bis kurz nach der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahlen am 6. Mai, hat die Theater- und Romanautorin Reza den Innenminister, Kandidaten und endlich gewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy mit seinem komplizenhaften Einverständnis bei Reisen, Wahlveranstaltungen, Sitzungen mit Mitarbeitern und Treffen mit ausländischen Staatschefs in nächster Nähe begleitet und ihre Eindrücke notiert. Das Ergebnis, knapp 180 eher dünn bedruckte Seiten, ist trotz nur mittelhoch gespannter Erwartungen eine ziemliche Enttäuschung. Einzig durch die lose chronologische Anordnung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit knapp zwei Jahren hat Österreich ein schönes, strenges Zuwanderungsgesetz – und dann passiert Anfang Oktober so etwas. Erst versuchte ein Niederösterreicher bosnischer Herkunft, mit einem Rucksack voller Schrauben und Granaten durch den Securitycheck der US-Botschaft zu spazieren. Neben dem explosiven Gepäck stellte die Polizei eine muslimische Gebetsfibel...
Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste das besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben. So hat Jan Bosse in seiner «Amphitryon»-Inszenierung am Maxim Gorki Theater Kleists Reflektion einer existenziellen Verunsicherung zum Anlass...
Liebe Kölner, bitte wegsehen!
Dieses Plakatmotiv zu Karin Beiers Eröffnungsinszenierung von «Die Niebelungen» darf in Köln nicht gezeigt werden. Die städtische Außenwerbung verweigerte die Hängung und bezeichnete das Plakat als «geschmacklos» und «gewaltverherrlichend». Das Büro des Oberbürgermeisters sowie Kulturdezernent Georg Quander sprachen zunächst eine...
