Ich leide, also bin ich
Sie haben’s nicht leicht, die Sprösslinge der europäischen Königshäuser. Für das Leben im Fokus der Öffentlichkeit, der Paparazzi, der Yellow Press brauchen man und frau starke Nerven. Die royale Tradition und die Rollenvorgaben liegen schwer auf den Schultern. Hinter den prunkvollen Fassaden, hinter Glitzer und Glamour lauern oft genug Abgründe. Siehe Lady Di.
Auch bei Princess Hamlet liegen die Nerven blank. Sie ist die rebellierende, vom gesellschaftlich-familiären Druck erschöpfte Protagonistin des gleichnamigen Stücks der finnischen Autorin E. L. (Emmy) Karhu.
2017 in Helsinki uraufgeführt, nimmt «Princess Hamlet» im Titel zwar Bezug auf Shakespeares Prinzendrama. Aber inhaltlich gibt es kaum Überschneidungen, diente das Original Karhu vielmehr als Inspirationsquelle für die eigenen feministischen Ideen. Es geht ihr nicht nur um die Probleme der Royalen, sondern ganz allgemein um die Schwierigkeit, als Frau den Normen und Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Princess Hamlet lehnt ihre Rolle als Thronfolgerin ab, überfordert von den Erwartungen ihrer Königin-Mutter, die so bald wie möglich ihr Amt an die Tochter übergeben will. Hamlet flüchtet sich in spektakuläre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 50
von Verena Großkreutz
Ron Iyamu antwortet nicht mehr. Obwohl er als einer der ersten auf meine Interview-Anfrage zum Thema «Rassismus am Düsseldorfer Schauspielhaus» reagierte, einem Spaziergang zustimmte. Zur Terminabstimmung kommt es aber nicht. Nichts im Spam-Ordner, keine Reaktion auf Insta-Anfragen, keine auf rund fünf E-Mails. Auf seinen Social-Media-Kanälen herrscht seit vier...
Von den werkgetreuen Togen und Tuniken und dem gräzisierenden Tempelchen auf der Bühne sollte man sich nicht allzu sehr in die Irre führen lassen. Diese «Orestie» ist «revisited», was überarbeitet bedeutet, überschrieben. Aber auch nicht ganz. Doch der Reihe nach.
Erst mal wird das Publikum ein wenig eingeschüchtert: Die «Orestie» im Originaltext, das macht 175...
Wenn in der Antike das Orakel von Delphi befragte wurde, schob die Priesterin Pythia nach einer Reihe von rituellen Waschungen und Tieropfern einen dreifüßigen Schemel vor eine Erdspalte im Apollontempel. Denn Delphi, so hieß es, befand sich am Mittelpunkt der Welt, bis heute symbolisiert durch den Schmuckstein Omphalos. Über aus der Erde entweichenden Gasen geriet...
