Vom Kothurn ans Mikrofon
Von den werkgetreuen Togen und Tuniken und dem gräzisierenden Tempelchen auf der Bühne sollte man sich nicht allzu sehr in die Irre führen lassen. Diese «Orestie» ist «revisited», was überarbeitet bedeutet, überschrieben. Aber auch nicht ganz. Doch der Reihe nach.
Erst mal wird das Publikum ein wenig eingeschüchtert: Die «Orestie» im Originaltext, das macht 175 Seiten Text à zwei Minuten reine Redezeit pro Seite plus szenische Aktion, ergibt rund acht Stunden Theater. Bildungsbürgerlicher Hochleistungssport! Der wird hier nicht abverlangt.
In achtzig Minuten sind wir durch: vom Kothurn runter ans Mikrofon und aus der Antike direkt in die Diskurse gestiegen, die unsere Zivilgesellschaft heute umtreiben.
Die «Orestie» wird gern als Stiftermythos gelesen. In der Gerichtsverhandlung des neu geschaffenen Areopags emanzipiert sich die Demokratie vom selbsterfüllenden Schicksal. Alle Beteiligten kommen zu Wort: Ein unerhörter Vorgang – auch heute noch, wenn wir auf aktuelle Partizipations- und Inklusions-Debakel schauen. Dem Regisseur Martin Pfaff ist ein gewisser didaktischer Eros nicht abzusprechen. Zunächst muss jedoch der Original-Plot her. Im Schnelldurchgang frontal an der Rampe ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 49
von Andreas Klaeui
Stephen Parker, der englische Literaturkritiker und kürzlich emeritierte Germanist an der Cardiff University, Verfasser einer kompetenten und gut lesbaren, 2018 auch in deutscher Übersetzung erschienenen Brecht-Biografie, hat jetzt im Wallstein Verlag das auf Französisch in Kalifornien verfasste so genannte «Journal amoureux» von Friedrich Wilhelm Wedekind...
Die Geste ist eines der zentralen Elemente des Theaters überhaupt und steht regelmäßig im Fokus von theatertheoretischen Betrachtungen. Schon die griechische Rhetorik fragte auch nach der Geste des Sprechers, um seine Aussagen zu verstärken, und in der Renaissance kamen Gestentafeln auf, die regelten, wie was auszudrücken war. Letzteres ist vor allem der...
Sie haben’s nicht leicht, die Sprösslinge der europäischen Königshäuser. Für das Leben im Fokus der Öffentlichkeit, der Paparazzi, der Yellow Press brauchen man und frau starke Nerven. Die royale Tradition und die Rollenvorgaben liegen schwer auf den Schultern. Hinter den prunkvollen Fassaden, hinter Glitzer und Glamour lauern oft genug Abgründe. Siehe Lady Di.
Au...
