Vom Kothurn ans Mikrofon
Von den werkgetreuen Togen und Tuniken und dem gräzisierenden Tempelchen auf der Bühne sollte man sich nicht allzu sehr in die Irre führen lassen. Diese «Orestie» ist «revisited», was überarbeitet bedeutet, überschrieben. Aber auch nicht ganz. Doch der Reihe nach.
Erst mal wird das Publikum ein wenig eingeschüchtert: Die «Orestie» im Originaltext, das macht 175 Seiten Text à zwei Minuten reine Redezeit pro Seite plus szenische Aktion, ergibt rund acht Stunden Theater. Bildungsbürgerlicher Hochleistungssport! Der wird hier nicht abverlangt.
In achtzig Minuten sind wir durch: vom Kothurn runter ans Mikrofon und aus der Antike direkt in die Diskurse gestiegen, die unsere Zivilgesellschaft heute umtreiben.
Die «Orestie» wird gern als Stiftermythos gelesen. In der Gerichtsverhandlung des neu geschaffenen Areopags emanzipiert sich die Demokratie vom selbsterfüllenden Schicksal. Alle Beteiligten kommen zu Wort: Ein unerhörter Vorgang – auch heute noch, wenn wir auf aktuelle Partizipations- und Inklusions-Debakel schauen. Dem Regisseur Martin Pfaff ist ein gewisser didaktischer Eros nicht abzusprechen. Zunächst muss jedoch der Original-Plot her. Im Schnelldurchgang frontal an der Rampe ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 49
von Andreas Klaeui
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«Jetzt ist schon wieder was passiert» – mit diesem mürrischen Satz leitet Wolf Haas seine Krimis ein, in denen ein in seiner Gemütlichkeit unfein gestörter Kommissar Brenner den blutigsten Verbrechen nachforscht. Brenner, schon der Name ist ein Witz, recherchiert mit einer Mischung aus Milieunähe, Faulheit und irgendwann dann doch noch einsetzender professioneller...
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