Ich ist keiner

Tom Lanoye «Mefisto forever»

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«Ich ...?», stammelt Kurt Köpler alias Henrik Höfgen alias Gustaf Gründgens entgeistert, «ich?». Wer soll das denn sein? Es ist das letzte Wort des Herrn mit der Dreifach-Identität und den Doppel-Initialen. Er ist Schauspieler, also: ein leeres Ich, dringend bedürftig, sich mit fremden Identitäten aufzuladen. GG, das war Gustaf Gründgens, Mephistodarsteller, unter den Nazis wohlgelittener Generalintendant des Preußischen Staatstheaters, Thomas Manns Kurzzeit-Schwiegersohn.

HH, so nannte ihn Schwager Klaus Mann in seinem Schlüsselroman «Mephisto» (1936), einer bitteren Abrechnung aus dem Exil mit dem prototypischen opportunistischen Karrieristen als Künstler. KK nennt ihn Tom Lanoye in seinem Bühnenstück «Mefisto forever», frei nach Klaus Mann. 

Viele Verpuppungen. Lanoye dreht das Maskenspiel noch ein paar Runden weiter: Sein Stück spielt ausschließlich auf dem Theater. Aus KK wird Hamlet und Mephisto, Romeo und Lopachin. Klassiker, die ihrerseits die Kunst als Lebensersatz feiern wie Tschechows «Möwe», spiegeln die Figuren. Das ist viel selbstreferenzielle Bastelei um eine reichlich schlichte Kunst-These: Das ganze Leben ist Inszenierung. 

Die ganze Politik auch. Wenn anfangs der ...

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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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