Wieder nix
Ich wiederhole mich nur ungern, aber mir fehlt in der Auswahl des Theatertreffens auch in diesem Jahr eine Peter-Handke-Inszenierung von Friederike Heller. 2007 war die Wiederentdeckung der alten Kapitalismuskomödie «Die Unvernünftigen sterben aus» übergangen worden, jetzt hat man eine Inszenierung von Handkes jüngstem Drama «Spuren der Verirrten» ignoriert, die mehr aus dem Text holt, als man darin vermutet hätte.
Rechnet man den «Untertagblues» (2005) hinzu, dann ist das jetzt schon Hellers dritte Handke-Inszenierung am Wiener Akademietheater, die nicht nach Berlin fährt – obwohl es dafür jeweils gute Gründe gegeben hätte. Der Verdacht drängt sich auf, dass das Urteil der Jury von Ressentiments gegen Handke beeinflusst wurde. Man könnte es ihr nicht verdenken: Mit seinen politischen Amokläufen, aber auch mit seiner aggressiv sensiblen Zurück-zur-Natur-Literatur kann dieser Autor ganz schön nerven.
Umso «bemerkenswerter» aber ist doch, was Heller daraus macht. «Spuren der Verirrten» ist, ähnlich wie «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten», im Grunde eine einzige lange Szenenbeschreibung: Paare, Passanten auf einem Platz. Wenn man (wie Claus Peymann bei der Uraufführung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist eine Nachkriegswelt, in der David Bösch seine «Woyzeck»-Fassung spielen lässt. Vielleicht hat sogar eine atomare oder biokriegerische Apokalypse stattgefunden. Die Mad-Max-artigen Kostüme der Figuren und die mutantenhafte Blässe legen das nahe. Sie hausen in einer Art unterirdischem Bunker. Manchmal macht die Großmutter (Jutta Wachowiak) zaghafte Versuche,...
Die Urszene? Vielleicht diese (schwarz-weiß): ein kleines Mädchen auf einem Schulhof, Hamburg, späte 40er Jahre. Zöpfe wahrscheinlich, ein klares, norddeutsches Gesicht, blaue Augen, breite Wangenknochen. Die Nase blutet. Sie hat sich geprügelt, und ist doch eigentlich ein liebes Mädchen, geprügelt um eine Rolle, die erste ihres Lebens: Hauptvögelchen in «Hüang und...
Jeder erfüllt nur seinen Zweck. Von der Allmacht eines Regimes erzählt Mark Ravenhills neues Stück, und von der Ohnmacht des Einzelnen dem System gegenüber. Vom Totalitarismus also und von der Banalität des Bösen: Nichts umwerfend Neues, gewiss, andere haben es in (meist kurzlebigen) anderen Dramen auch schon getan. Dennoch muss es wohl immer wieder verhandelt...
