Ibrahim Amir: Homohalal
Die Ursprungsfassung von „Homohalal“ entstand aus der Zusammenarbeit von Ibrahim Amir mit der Regisseurin und Dramatikerin Tina Leisch sowie der Schauspielerin Natalie Assmann im Rahmen des zweijährigen Theaterworkshops mit den Refugees und Aktivistinnen des Wiener Votivkirchenprotestes 2012 insbesondere mit Ali Asmat, Mohamed Mouaz und Said Café. Die Dresdner Uraufführungsfassung wurde neu konzipiert und geschrieben von Ibrahim Amir, begleitet von Laura Linnenbaum und Michael Isenberg. Die Premierenfassung wurde in gemeinsamer Arbeit mit dem Ensemble weiterentwickelt.
Personen
Said, 45, geboren in Tikrit
Ghazala, 47, geboren in Islamabad
Albertina, schon lange 30, geschiedene Witwe, geboren in Elsterwerda
Barbara, 39, geboren in München, war mal katholisch
Umar, 45, geboren in Aleppo
Abdul
Jamal, 17, geboren in Dresden, Sohn von Said und Ghazala
Jussef, 17, geboren in Dresden, Sohn von Said und Ghazala
Michi, Rouni, Mustafa
SPIEGEL
Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung.
ADORNO
Mir nicht.
Erstes Bild
Prolog
Rouni Ich heiße Rouni. Ich bin vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland gekommen. Seitdem bin ich jeden Montag hier im Montagscafé. Ich habe in zwei Theaterstücken ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
von Ibrahim Amir
Nachdem vor kurzem die wichtigste liberale Zeitung «Népszabadság» eingestellt wurde und nach dem regimeaffinen Eigentümerwechsel bei mehreren Radio- und Fernsehsendern, gerät die Pressefreiheit – so auch dem Freedom House Report zufolge – in Ungarn in immer größere Gefahr. In den letzten Freiräumen, auf YouTube, Facebook und auf der Straße bei Demonstrationen...
«Einfach ist der Kampf der Generationen sowieso nie.» Die Mutter starrt ins Leere, desillusioniert, einsam; sie hat die Vorstellung aufgegeben, Einfluss auf ihren pubertierenden Sohn zu haben. Auf ihren Sohn, der sich falsche Freunde gesucht hat, der sich radikalisiert hat, im Internet, wo auch immer, man weiß so wenig. Jedenfalls: Der Sohn hat einen Anschlag...
Mai 1945. Mit der Kapitulation Hitlerdeutschlands ist auch für den faschistischen kroatischen Ustascha-Staat der Krieg verloren. Um der Rache der Tito-Partisanen zu entgehen, flüchten die kroatischen Soldaten, begleitet von ihren Familien und anderen Zivilisten, nach Norden, bis über die slowenisch-österreichische Grenze, wo sie sich den britischen Besatzern...
