Hummer und Anti-Dornröschen
Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’ Film «The Lobster» und Ottessa Moshfeghs Roman «Mein Jahr der Ruhe und Entspannung». Das klingt nach Zeitgeist, Unterhaltung, und ob das Ganze darüber hinaus noch etwas zu bieten hat – wird sich zeigen.
Es eröffnet Lucia Bihler mit «The Lobster». Eine smarte Wahl, schließlich ist Lanthimos der letzte Mythologe des Kinos und damit wie gemacht fürs Theater. Seine Filme handeln von Opfern, Schöpfung, Randzonen des Sozialen – am Ende also immer von Beziehungen. Am deutlichsten in «The Lobster». Der Film erzählt von einem «Dating-Hotel», darin sich Singles nach übereinstimmenden spezifischen Eigenschaften – wie etwa Nasenbluten – paaren, wobei als Motivationshilfe folgende Spielregel gilt: Sollte diese Paarung nicht binnen weniger Tage glücken, wird man in ein Tier seiner Wahl verwandelt. David, der Held des Stückes, wählt ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Maximilian Sippenauer
Die Leinwände an den Seitenwänden und der Rückwand bewegen sich langsam nach oben. Irgendwann sind Gebäude zu sehen, zur Bühne hin mit Arkaden bestückt, die nicht nur in der griechischen Sommerhitze für Schatten, eine kühlende Luftzirkulation und die Möglichkeit eines offen demokratischen Gedankenaustausches sorgen können.
Die Atmosphäre von Thea Hoffmann-Axthelms...
Peter Eschberg, der jetzt im steirischen Ort Kirchberg im Alter von 87 Jahren starb, war nach seiner Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar ein an den Münchner Kammerspielen (1959–1962), an den Frankfurter Städtischen Bühnen (1963/64) und an den Westberliner Theatern Freie Volksbühne und Schaubühne am Halleschen Ufer (1964–1966) erfolgreicher, mit leichtem Sinn...
Siamo tutti antifascisti!» Der Jubel war groß am Abend des 7. Juli, als klar war: Das rechtspopulistische Rassemblement National hat die Parlamentswahlen in Frankreich wider Erwarten nicht gewonnen. In Avignon tanzten die Menschen vor dem Rathaus, applaudierten, skandierten Antifa-Parolen – die Erleichterung explodierte. Die Auftaktwoche des Theaterfestivals lag...
