Hügelspurt statt Gipfelsturm

Das zweite Karlsruher Ur- und Erstaufführungsfestival «Schlaglichter» geht sparsam mit der Zeit um

Theater heute - Logo

Allmählich ist es eine Frage wie beim Huhn und beim Ei: Wurden zuerst die neuen Stücke so kurz, dass man beschloss, sie in Fes­tivals zusammenzupacken, oder wurden die Stücke wegen des wachsenden Festivalmarktes immer kürzer? Bei der zweiten Auflage der «Schlaglichter» am Staatstheater Karlsruhe jedenfalls brachten sieben Ur- und Erstauffüh­rungen insgesamt eine Nettospielzeit von 520 Minuten auf die Waage, was einer Durchschnittsdauer von gut 75 Minuten entspricht.

Wo wenig Raum für große Spannungs­bögen bleibt, muss zumindest ein großes Thema her.

Also stand das Festival unter dem Motto «Hybris» und begann mit George Packers Stück «Verraten», in dem der US-Journalist erzählt, in welch lebensgefährliche Zwickmühle Iraker geraten, wenn sie mit der US-Armee zusammenarbeiten: Ihre eigenen Leute bedrohen sie als Verräter, die Besatzungsmacht verdächtigt sie als potenzielle Attentäter. In Rückblenden erzählt Packers auf Interviews gestütztes Stück, wie der Hardrock-Fan Laith (Robert Besta) durch sein Metallica-geschultes Englisch an einen Dolmetscher-Job kommt, wie er und sein Kollege Adnan (Jörg Seyer) nach ersten Drohungen vergeblich um eine höhere Sicherheitsstufe bitten, wie seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Kraft der großen Erzählungen

Theater heute Ob «Baader Meinhof Komplex» oder «Operation Walküre», ob Armin Petras’ «Rummelplatz» oder Volker Löschs «Wunde Dresden» – Filme und Theaterinszenierungen fangen wieder an, deutsche Geschichten, deutsche Geschichte zu erzählen. Wenn man begriffstechnisch etwas höher greift, kann man übergreifende histo­ri­sche Großerzählungen auch Mythen nennen. Herr...

Moral als Fetisch

Was tun, wenn das Leben nach dem Lustprinzip einen Sättigungsgrad erreicht hat, der jede Steigerung zur Mühsal werden lässt? Wenn Ausschweifung nur noch anstrengend ist und nicht einmal die Macht mehr müde Männer munter macht? Man könnte sich entspannt zurücklehnen und einfach abwarten, bis sich die Libido von selber wieder regt. Oder man inszeniert – um die...

«In was soll ich mich denn hineinintegrieren?»

Barbara Burckhardt Hilmi Sözer, im Altonaer Theater in Hamburg spielen Sie zurzeit «Schillers Sämtliche Werke, leicht gekürzt», ein Abend von und mit Michael Ehnert in Anlehnung an den Shakespeare-Renner ähnlichen Titels. Sie spielen darin unter anderem sehr scheu und ernst Schillers Luise Millerin und müssen sich in der fingierten Probensituation, die den Rahmen...