Hügelspurt statt Gipfelsturm
Allmählich ist es eine Frage wie beim Huhn und beim Ei: Wurden zuerst die neuen Stücke so kurz, dass man beschloss, sie in Festivals zusammenzupacken, oder wurden die Stücke wegen des wachsenden Festivalmarktes immer kürzer? Bei der zweiten Auflage der «Schlaglichter» am Staatstheater Karlsruhe jedenfalls brachten sieben Ur- und Erstaufführungen insgesamt eine Nettospielzeit von 520 Minuten auf die Waage, was einer Durchschnittsdauer von gut 75 Minuten entspricht.
Wo wenig Raum für große Spannungsbögen bleibt, muss zumindest ein großes Thema her.
Also stand das Festival unter dem Motto «Hybris» und begann mit George Packers Stück «Verraten», in dem der US-Journalist erzählt, in welch lebensgefährliche Zwickmühle Iraker geraten, wenn sie mit der US-Armee zusammenarbeiten: Ihre eigenen Leute bedrohen sie als Verräter, die Besatzungsmacht verdächtigt sie als potenzielle Attentäter. In Rückblenden erzählt Packers auf Interviews gestütztes Stück, wie der Hardrock-Fan Laith (Robert Besta) durch sein Metallica-geschultes Englisch an einen Dolmetscher-Job kommt, wie er und sein Kollege Adnan (Jörg Seyer) nach ersten Drohungen vergeblich um eine höhere Sicherheitsstufe bitten, wie seine ...
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Wo Löhle drauf steht, kann auch Loriot drin sein. Im neuen Stück des hochproduktiven Wahl-Berliners geht ein frischgebackener Rentner seiner Gattin mit seiner neuen Dauerpräsenz gehörig auf die Nerven, was zu folgendem Dialog führt: «Was machst du da?» «Ich? Nix. Wieso?» «Ist dir langweilig?» «Wie kommst du darauf?» «Schau dir mal zu.» «Ich lümmle.» «Du lümmelst.»...
Barbara Burckhardt Hilmi Sözer, im Altonaer Theater in Hamburg spielen Sie zurzeit «Schillers Sämtliche Werke, leicht gekürzt», ein Abend von und mit Michael Ehnert in Anlehnung an den Shakespeare-Renner ähnlichen Titels. Sie spielen darin unter anderem sehr scheu und ernst Schillers Luise Millerin und müssen sich in der fingierten Probensituation, die den Rahmen...
Dass Anna Viebrocks Performance zur Karnevalszeit herauskam, muss mancher Kölner als Provokation empfunden haben. Denn Heiterkeit findet hier so ganz anders zu sich selbst, als der Kölner es zu kennen meint: Sie ist nichts anderes als die eher unscheinbare Kehrseite einer abgrundtiefen Melancholie, die wiederum eine der Urformen der Angst bildet. Auf seine Art ist...
