Hügelspurt statt Gipfelsturm
Allmählich ist es eine Frage wie beim Huhn und beim Ei: Wurden zuerst die neuen Stücke so kurz, dass man beschloss, sie in Festivals zusammenzupacken, oder wurden die Stücke wegen des wachsenden Festivalmarktes immer kürzer? Bei der zweiten Auflage der «Schlaglichter» am Staatstheater Karlsruhe jedenfalls brachten sieben Ur- und Erstaufführungen insgesamt eine Nettospielzeit von 520 Minuten auf die Waage, was einer Durchschnittsdauer von gut 75 Minuten entspricht.
Wo wenig Raum für große Spannungsbögen bleibt, muss zumindest ein großes Thema her.
Also stand das Festival unter dem Motto «Hybris» und begann mit George Packers Stück «Verraten», in dem der US-Journalist erzählt, in welch lebensgefährliche Zwickmühle Iraker geraten, wenn sie mit der US-Armee zusammenarbeiten: Ihre eigenen Leute bedrohen sie als Verräter, die Besatzungsmacht verdächtigt sie als potenzielle Attentäter. In Rückblenden erzählt Packers auf Interviews gestütztes Stück, wie der Hardrock-Fan Laith (Robert Besta) durch sein Metallica-geschultes Englisch an einen Dolmetscher-Job kommt, wie er und sein Kollege Adnan (Jörg Seyer) nach ersten Drohungen vergeblich um eine höhere Sicherheitsstufe bitten, wie seine ...
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Es gibt Menschen, die sagen zu ihrer Frau «Mutti». Und es gibt Menschen, die müssen zu ihrer Frau nicht mal «Mutti» sagen, es stimmt auch so. Solche Menschen hat das Leben so nah zusammengeführt, dass ihnen vor nichts mehr graust. Schon gar nicht vor ihren Liebsten.
Gretschke und Mechthild beispielsweise, die sich gerne in Niederlausitzer Mundart unterhalten, ein...
Adolf Hitler war ein verschrobener Kerl, dem die Hände zitterten. Andreas Baader war ein ungehobelter Macho, der gern mit Pistolen fuchtelte. Claus Graf Stauffenberg war ein Aristokrat der Tat, der beinahe das Schicksal ausgebremst hätte. Die DDR war ein dekadentes Funktionärsregime, in dem Kunst nur der Anbahnung von Sex diente. Die DDR war ein Paradies mit...
Zum Schluss sitzen da zwei Menschen erschöpft nebeneinander, ein Paar, das sich nichts geschenkt hat, sichtlich abgekämpft, aber dennoch ein Paar. Er schocksteif, mit schreckgeweiteten Augen und noch immer festgezurrter Krawatte, sie, im blutrot geblümten Abendkleid, leicht derangiert, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Wüsste man nicht, dass gerade jeder von...
