Der Ball ist wund
Im Theater gewesen und wieder was gelernt. Deutschland gönnt sich als Ausrichter der Fußballeuropameisterschaft also ein umfangreiches «Kunst- und Kulturprogramm zur UEFA Euro 2024».
Weil es nicht kulturvoll genug ist, wenn Teams aus allen Ecken des Kontinents dem Ball hinterherjagen und sich Zuschauer an der gebotenen Artistik erfreuen? Warum eigentlich nicht? Warum muss das Ereignis zusätzlich aufgeblasen werden?
Das kleine Studiostück am Gorki Theater «Endgame 24» von Autor Juri Sternburg und Regisseur Marco Damghani wurde aus ebendiesem UEFA-Projekttopf der Bundesministerien gefördert. Und es plagt sich mächtig mit der Sinnfrage. Aber nicht so sehr, weil Fußball ein schönes Spiel ist und sich eigentlich selbst genügt, sondern weil hinter dem Profi-Fußball eine milliardenschwere Verwertungsmaschine steht, die eben von der UEFA oder der FIFA (die Unterschiede sind dem Abend egal) mit strengem Regime gemanagt wird. Und diese Verbände schaffen es, noch die heftigste Kritik an ihren Geschäftspraktiken zu neutralisieren. Aber Kritik will man als Theaterschaffende doch eigentlich üben!
Also sucht «Endgame 24» die Verweigerungspose und mit ihr die Reflexion über die Möglichkeit von ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christian Rakow
Es hilft, wenn man nach dem Theaterabend «Den Aufstand proben – Handbuch einer Hausbesetzung» selbst in den Magnitorwall 18 einbiegt. Und wenn man dort noch das Glück hat, dass einen eine Theatermitarbeiterin kurz und beherzt hineinführt in die Räume. Die Räume, die jetzt Theaterbüros sind und damals Wohnungen waren: großbürgerlich hohe Decken, prunkvoller Stuck...
Er muss schon ein rechter Kotzbrocken gewesen sein, dieser Märchenonkel. «Der arme Andersen war lästig, die schlimmste Last aber blieb er sich selbst», schreibt der Literaturkritiker Michael Maar in seinem Buch «Leoparden im Tempel» über den Dichter Hans Christian Andersen. Und weiter: «Durch heillosen Egozentrismus fiel er noch den geduldigsten Gastgebern zur Last...
Schon gewusst, was Kainismus bedeutet? Und Abelismus? Nein, nicht Ableismus, Abelismus von Kain und Abel. Schlichter Brudermord nämlich, der Stärkere tötet den Schwächeren aus tierischem Über -lebensinstinkt. Das soll unter Adlerküken sogar die Regel sein, Darwinismus im Vogelhorst, behauptet jedenfalls Caren Jeß, die große Animaldramatikerin («Bookpink», «Die...
