Hör’gefälligst zu!
Nichts sehen, nur hören, hinhören müssen, weil das Auge keine Ablenkung findet in der Dunkelheit. Hören, dass Knochen splittern, Blut aus Wunden sickert, dass Menschen andere foltern, verhöhnen, vergewaltigen. 90 Minuten dauert «Vergeltung», Sebastian Baumgartens Live-Hörspiel eines Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg, mindestens 70 davon ist es dunkel. Wo die Bühne sein sollte, glimmen vier rote Lämpchen, Positionslichter eines Flugzeugs vielleicht, alles andere ist konturlose Finsternis.
Irgendwo im Hintergrund sprechen die Spieler:innen den Text live ein, und Fiete Wachholtz entfesselt am Schlagzeug donnernde Explosionen. Zu sehen sind sie nur in kurzen Videoeinblendungen.
Die Inszenierung folgt der Schlaglicht-Montagetechnik des Romans von Gert Ledig. Sie springt von der amerikanischen Bomberbesatzung um Sergeant Strenehen (Elias Eilinghoff) in die Straßen und Luftschutzkeller der Stadt, von schutzlosen und hungernden russischen Zwangsarbeitern (Leonhard Hugger, Uwe Schmieder) zu einer Frau, die in ihrer Wohnung auf den Tod wartet (Sara Sandeh).
Es gibt minimale Hoffnungsmomente, etwa wenn Soldaten einen Mann, der seine Familie sucht, zwar zunächst gewohnheitsgemäß ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Cornelia Fiedler
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