Hör’gefälligst zu!
Nichts sehen, nur hören, hinhören müssen, weil das Auge keine Ablenkung findet in der Dunkelheit. Hören, dass Knochen splittern, Blut aus Wunden sickert, dass Menschen andere foltern, verhöhnen, vergewaltigen. 90 Minuten dauert «Vergeltung», Sebastian Baumgartens Live-Hörspiel eines Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg, mindestens 70 davon ist es dunkel. Wo die Bühne sein sollte, glimmen vier rote Lämpchen, Positionslichter eines Flugzeugs vielleicht, alles andere ist konturlose Finsternis.
Irgendwo im Hintergrund sprechen die Spieler:innen den Text live ein, und Fiete Wachholtz entfesselt am Schlagzeug donnernde Explosionen. Zu sehen sind sie nur in kurzen Videoeinblendungen.
Die Inszenierung folgt der Schlaglicht-Montagetechnik des Romans von Gert Ledig. Sie springt von der amerikanischen Bomberbesatzung um Sergeant Strenehen (Elias Eilinghoff) in die Straßen und Luftschutzkeller der Stadt, von schutzlosen und hungernden russischen Zwangsarbeitern (Leonhard Hugger, Uwe Schmieder) zu einer Frau, die in ihrer Wohnung auf den Tod wartet (Sara Sandeh).
Es gibt minimale Hoffnungsmomente, etwa wenn Soldaten einen Mann, der seine Familie sucht, zwar zunächst gewohnheitsgemäß ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Cornelia Fiedler
26.7./SONNTAG
23.15, ARTE: Patrick Swayze – Hollywoods Traumtänzer, USA 2019
Der Dokumentarfilm zeichnet das Leben von Patrick Swayze nach, der als Schauspieler und Tänzer gleichermaßen prägte und sich früh zwischen Bühne, Film und körperlicher Höchstleistung bewegte. Ausgehend von seiner Ausbildung in New York und den Jahren in der Ballettkompanie folgt der Film...
Wer wankt am Ende stärker? Die fünf Zombies am Filmset, die endlich mal einen Film über sich aus eigener Perspektive drehen wollen – oder die neun Schauspielverweigerer mit ihren schultütenhaften Kasperlehüten, die zwischen drei Fotowänden hin- und hertaumeln? Die beiden Kollektive, die Toshiki Okada und Herbert Fritsch am Ballhof 1 und im Schauspiel Hannover...
Noch immer betrete ich das Humboldt -forum mit Skepsis. Der Abriss des Palasts der Republik und die Rekonstruktion des preußischen Stadtschlosses, der Versuch also, DDR-Geschichte in Berlins Mitte einzutauschen gegen die nicht minder problematische preußische Tradition, ist der eine Haken – die Unterbringung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische...
