Hinterm Horizont geht’s weiter

Der Regisseur und Intendant Johan Simons steht seit Jahrzehnten für länder- und spartenübergreifendes Theater. Doch die Grenzenlosigkeit hat ihre Grenzen. Einige persönliche Gedanken zum Thema.

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Als ich auf die Welt kam, lag die Welt in Asche. Ich wurde 1946 geboren. Ein halber Kontinent war zerbombt, und Millionen Menschen waren hingerichtet oder zwischen den Fronten getötet worden. Die deutschen Nationalsozialisten hatten gerade noch in ihren grenzenlosen Allmachts­fantasien gestoppt werden können. Mein Land, die Niederlande, war dank der Alliierten befreit worden. Nun gab es überall Trümmer und kaputte Seelen. Das größte Unglück seit Menschengedenken steckte der Welt tief in den Knochen.

Europa war am Nullpunkt: Jede Frau, jeder Mann, jedes Land fing erstmal wieder ganz bei sich selbst an.

Aus dieser Zeit stamme ich. Das heißt, in diese Zeit wurde ich hinein- geboren, und aus dieser Zeit wollte ich heraus. Meine Welt reichte nicht viel weiter als bis zur Tür meines Elternhauses und zu den Grenzen unseres kleinen Dorfes. Und ich glaube, so wie mir ging es damals vielen. Deshalb bin ich heute noch ein Dorfmensch und gleichzeitig immer auf der Suche.

 

Deshalb habe ich noch, als ich mehr als sechzig Jahre später Intendant der Münchner Kammerspiele wurde, diesen Satz zu unserem Motto gemacht: Wer sein Dorf nicht kennt, der kennt die Welt nicht. Meine Welt – und auch das ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen, Seite 6
von Johan Simons

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