Ein Imperium zerfällt

Tom Lanoye «Königin Lear»

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Der 1958 im belgischen Sint-Niclaas geborene Autor Tom Lanoye hat bereits mehrfach unter Beweis gestellt, wie gekonnt er alte Stoffe bearbeitet und neuschreibt. Bei «Mamma Medea» und «Atropa» waren es die Dramen des Euripides und Aischylos, in «Hamlet versus Hamlet», seinem Opus magnum «Schlachten!» und jetzt «Königin Lear» die großen Königsdramen Shakespeares, denen er mit seinen Adaptionen oft eine neue und eigene Sichtweise eingeschrieben hat.

Seine wichtigsten Mittel sind dabei die Fokussierung auf den zentralen Konflikt sowie die sprachliche und szenische Aktualisierung, die bis zur kompletten Transformation der Geschichte in die Gegenwart reichen kann – wie jetzt in «Königin Lear».

Tom Lanoyes Hauptfigur Elisabeth Lear ist folgerichtig auch keine Monarchin mehr, sondern ihr modernes Äquivalent: Sie ist die Chefin eines global agierenden Großkonzerns. Gegründet von ihrem Großvater als kleines Familien­unternehmen, haben erst ihr Vater und schließlich sie selbst die Firma an die weltweite Spitze geführt. Um sich in der männlich dominierten Finanzwelt nicht nur als ebenbürtige Geschäftspartnerin, sondern auch als respekteinflößende Führungskraft über Jahrzehnte hinweg behaupten ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 167
von Sibylle Baschung

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