Himmelfahrt mit Vorhang
Wer Marie NDiayes «Drei starke Frauen» gelesen hat, wird keine übertriebenen Migrationshoffnungen in Richtung Europa mehr hegen. In der ersten der drei Geschichten kehrt eine strebsame französische Anwältin, Imigrantin der zweiten Generation, zu ihrem Vater nach Algerien zurück, den sie verachtet, ohne sich seiner zermürbenden Anziehungskraft erwehren zu können. In der zweiten Geschichte zerbricht ein junger Franzose, dessen Vater einst als Geschäftsmann nach Algerien ausgewandert war, fast an den Nachwehen von dessen Verbrechen.
Und in der dritten Geschichte schließlich, die Friederike Hellers «Nach Europa» zugrunde liegt, kämpft sich eine junge Afrikanerin, die von ihrer Familie verstoßen und nach Europa geschickt wird, durch die lange Reise, bis sie schließlich am Grenzzaun ums Leben kommt. Wenn man eine Schlussfolgerung aus den drei Leben ziehen wollte, wäre jede(r) besser zu Hause geblieben.
Im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses steht ungefähr drei Meter hinter der Rampe eine raumbreite Wand aus Glas und Metall, die sich in der Mitte schleusenartig öffnen kann, was sie aber meistens nicht tut. Davor zwei Schauspieler, Bettina Stucky und Matthias Bundschuh, dazu ein ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Zurzeit schärfen die Atriden ihre Mordwaffen gern in gutnachbarlichen Wohnzimmern. Stefan Pucher hingegen kümmert sich in seiner Antiken-Variante «Elektra» am Deutschen Theater Berlin wenig um die Banalität der Familie an sich. Sein Interesse gilt eher den Niederungen der Familien-Soap: Wie viel «Denver-Clan» steckt in der Atriden-Dynastie? Welche pop- bzw....
Als wir zum Herbstanfang mit dem Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz und der Konzeptförderungsgutachterin Stefanie Wenner sprachen (vgl. TH 11/13), sah die Lage der Berliner Theaterszenen gar nicht mal unrosig aus: ein beschlossener Zuwachs des Berliner Kulturhaushalts um 4,3 Prozent in den kommenden beiden Jahren, 12,5 Millionen Euro «Investitionsgelder»...
Eigentlich dürfte Martin Crimps «In der Republik des Glücks» gar nicht so schwer zu inszenieren sein, gerade wenn man von höherer Regiekunst mal absieht. Der erste Teil ist eine Fingerübung in schwarzer Komödie: Eine reizende Familie sagt sich beim trauten Weihnachtsessen so ziemlich alles, was sie noch nie von sich hören wollte. Was natürlich einen respektablen...
