Haltet den Dieb!
Eigentlich dürfte Martin Crimps «In der Republik des Glücks» gar nicht so schwer zu inszenieren sein, gerade wenn man von höherer Regiekunst mal absieht. Der erste Teil ist eine Fingerübung in schwarzer Komödie: Eine reizende Familie sagt sich beim trauten Weihnachtsessen so ziemlich alles, was sie noch nie von sich hören wollte. Was natürlich einen respektablen Grad an bürgerlichem Illusionstheater voraussetzt, um nicht bloß albern zu sein.
Der zweite Teil ist eine figurenfreie Sammlung von Statements über die «Grundfreiheiten des Individuums», unterteilt in fünf Kapitel zu Themen wie Therapie, Schönheitswahn oder Selbstbestimmung: eine sarkastische Steigerung von Bekenntnistexten angeblich freier Individuen, die immer absurder und unfreier werden und natürlich die Fähigkeit zu Ironie und Sarkasmus voraussetzen. Der dritte Teil ist noch eine kleine Zweipersonen-Studie zu den Szenen einer glücklichen Wohlstandsehe, der mit jedem Wort die Wirklichkeit weiter entgleitet. Dafür gibt es in der Theater- und Filmgeschichte Beispiele. Soweit also drei lösbare Aufgaben.
Regisseur Rafael Sanchez und Bühnenbildnerin Janina Audick haben alle drei souverän ignoriert. Der erste Teil ist in ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Akteure, Seite 35
von Franz Wille
Die Euro-Scene Leipzig hat in ihrer 23. Auflage eine sehr europäische Ausgabe abgeliefert. Nachdem im letzten Jahr der Hauptsponsor abgesprungen war, konnte dank einer Aufstockung der städtischen Förderung das Programm ohne größere Einschränkungen, aber mit deutlich erhöhten Ticketpreisen stattfinden. Der ursprüngliche Fokus des Festivals auf die Avantgarden...
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell...
Huch, haben die sich verdruckt? «Christoph Schlingensief» steht in großen Lettern im Hof der Kunstwerke, und darunter nicht etwa seine Lebensdaten, sondern «1.12.13 – 19.1.14». Diese Ausstellung ist eben kein Grabstein, sondern der von Schlingensief zu Lebzeiten selbst mitinitiierte Versuch, das umfangreiche, abenteuerliche Werk des 2010 gestorbenen Regisseurs...
