Hier ist nur sicher, dass nichts sicher ist
Sie ist schon da, als sich die Türen des Zuschauerraums öffnen. Sie streift, während das Publikum jetzt langsam hereinkommt, an der Rückwand des leeren Bühnenhauses entlang, sie streift hin und her, kaum zu erkennen im Halbdunkel, scheinbar ruhelos – und doch hochkonzentriert. An den hohen Wänden verlaufene schwarz-graue Tusche, irgendwo auf der Bühne ein Haufen Steine, eine Schubkarre, am Rand eine tote Kuh.
Sie ist schon da – und anders kann es auch gar nicht sein, denn wie sollte sie diese Welt betreten, durch welche Tür «auftreten», «hereinkommen», um den Abend zu beginnen, die Vorstellung, die jetzt gleich anfangen soll, als wer oder als was? Das ist eine keineswegs einfache Frage, das ist eine Frage, die nicht zu beantworten wäre, und an der man, auch wenn es nun scheinbar keinen «Auftritt» geben wird, trotzdem nicht vorbeikommt, denn die Frage nach dem «Wer bin ich?» stellt das Theater auf unterschiedlichen Ebenen die ganze Zeit.
Genauso wäre allerdings auch nicht zu beantworten, wer da jetzt auf der anderen Seite des Bühnenportals zu den Türen des Zuschauerraums hereinströmt, 1083 Plätze hat das Deutsche Schauspielhaus Hamburg an diesem Abend, hier treffen sehr viele ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 6
von Roland Schimmelpfennig
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Nice Guy, wenn er so verstrubbelt durch die Wohnung schlurft, Körperspannung wie eine lockere Wäscheleine, Handy am Ohr und offenbar maximal besorgt über den Zustand seines aktuellen Gesprächspartners. Gerade ist er Stefan, später auch Paul, Claudia und gegen Ende, als erzählender Mitspieler, endlich auch Fabian. Hinrichs spielt sie alle – und alle gleich. In René...
