Hell und bloß
Im Frankfurter Schauspielhaus ist Wanda Golonka als Hausregisseurin die Spezialistin für ungewöhnliche Raumkonzepte. Mit Vorliebe bespielt die französische Regisseurin und Choreografin auch die nicht-öffentlichen Bereiche des Theaters oder schafft in den gewohnten neue Räume. Auch für ihre neueste Produktion darf sich das Publikum nicht in die Sessel bequemen, sondern wird hinter die Kulissen geschickt.
Zu beiden Seiten werden die Zuschauer im Gänsemarsch eingelassen, vorbei geht es an Kabeln und Monitoren durch die Feuer- und Lärmschutztüren, bis sich plötzlich im Halbdunkel ein hoher, kreisrunder Innenraum öffnet. Es ist erstaunlich, wie sich die karge, weite, eckige Bühne in einen magischen Rundbau verwandelt hat. Nur in Umrissen erkennt man die Dimensionen des Raumes, der, durch mächtige Vorhänge begrenzt, Geheimnisvolles verspricht.
Zum Auftakt des 15. Festivals der Union des Théâtres de l’Europe (UTE), das dieses Jahr zum ersten Mal in Frankfurt am Main stattfand, hat Golonka Sarah Kanes «Gier» inszeniert. «Gier» ist das letzte Stück Kanes, dessen Uraufführung die Autorin noch selbst erlebte, und man könnte sagen – wenn es nicht zu stark nach Zynismus klänge – ein Spätwerk ...
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Am Ende verschwindet die Hauptdarstellerin im Wald. Das kann man ruhig erzählen, obwohl es sich um einen Spannungsfilm handelt. Denn dieses Ende entscheidet nicht wirklich etwas (und außerdem ist es nicht ganz das Ende). Wie von unsichtbaren Bändern gezogen, geht die junge, schöne, akkurat zurechtgemachte Empfangskraft eines einsamen Hotels spät abends plötzlich...
Inmitten der Bühne schwebt eine Leinwand. Gesichtslose Knetmännchen führen hier einen grotesken Tanz zu elektronischen Klängen auf, in dessen Verlauf sie sich mit Nadeln erstechen. Dann erschüttert ein Erdbeben das aus weißen Spanplatten und Gerüststangen zusammengeschraubte, sich über zwei Ebenen erstreckende Bühnenprovisorium, Tassen in einem videoprojizierten...
Dieser Krieg der Generationen ist schon entschieden. Gewinnerin ist die zehnjährige Alegra, die ihre Familie so unter der Fuchtel hat, dass sie nach Opas Tod direkt die Wohnung erbt und die Eltern nun quasi bei ihr wohnen. Solche Gewinner zu hassen ist freilich leichter, als diesen Hass so zu formulieren wie Biljana Srbljanovic: «Es ist vielleicht wirklich nicht...
