Reigen stechender Mädchen
Mit «Sein Dasein war ihm eine notwendige Last. – So lebte er hin» endet Büchners «Lenz». Wollte man die Novelle für die Bühne bearbeiten, müsste man den wahnsinnig exzentrischen, fatalen Charakter in all seiner Widersprüchlichkeit darstellen. Das noch größere Problem wäre allerdings, dass jeder sich fragen würde, warum nicht gleich den «Woyzeck» inszenieren – mit einem, der unterwürfig alles Geld für die geliebte Marie zusammenkratzt, im nächsten Moment aber wie eine Rasierklinge durch die Welt schneidet. Lenz und Woyzeck sind verwandt und doch verschieden.
Lenz ist eher der Manisch-Depressive und tunkt das Haupt beim elsässischen Pfarrer Oberlin ins kühle Wasser, während Woyzeck vorzugsweise schizophren durchs Gutachten des Herrn Clarus irrt.
Da derart pathogene Seelenzustände darstellerisch aber sowieso nicht unbedingt treffsicher zu lokalisieren sind, geht es durchaus in Ordnung, wenn Martin Nimz jetzt in Heidelberg den «Woyzeck» inszeniert und mit «Lenz»-Passagen garniert. Da kommen Laien-Mädchen an die Rampe und sprechen Passagen aus der Novelle ins Mikro. Zuerst ist man irritiert, kann sich dem Sog dieser Passagen aber doch nicht entziehen. Das natürlich tastende Sprechen ...
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