Heimat mit Anführungszeichen
«Heimat» ist ein trügerischer Begriff, er bringt Sehnsucht zum Ausdruck: nach Ruhe, Beständigkeit, Vertrautem, Einfachheit, Zugehörigkeit und tiefer Verwurzelung. Die Diagnose, dass ein wachsendes Bedürfnis nach alldem verständlich sei, weil wir in sich rasant ändernden Zeiten leben, die immer unüberschaubarer würden, ist allgegenwärtig. Gleichzeitig ruft der Begriff die erstickenden Idyllen deutscher Heimatfilme auf, mit denen die Apokalypse des Naziterrors verdrängt wurde, oder die ausgrenzende und xenophobe Spießbürgerlichkeit der 1960er/70er-Jahre-BRD.
«Heimat» ist auch ein nostalgischer Begriff, der ein «verlorenes Paradies» (zum Beispiel das der Kindheit) heraufbeschwört. Als politischer Kampfbegriff unserer Tage wird damit versprochen, die Zeit zurückdrehen zu können. Ein Heimatbegriff, der territorial definiert wird, muss gerade wegen der deutschen Geschichte auf seine «Blut-und-Boden»-Tradition hin befragt werden.
Die gegenwärtigen Debatten um den Heimatbegriff sind Abgrenzungsdebatten. Ist Heimat exklusiv? Und wer darf es sich innen gemütlich machen? Gerade in Bayern, nicht nur in Städten wie Bamberg, wird Heimat mit der Ausgestaltung einer Idylle gleichgesetzt. Jede ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (1), Seite 28
von Sibylle Broll-Pape und Remsi Al Khalisi
Heute habe ich ein Visum beantragt für meine Heimat. 22 Tage in Russland wollen begründet sein. «Eine Deutsche» macht Urlaub in ihrem Geburtsort. Nach 30 Jahren in Deutschland bekomme ich das nicht über die Lippen: eine Deutsche sein. Warum?
Mit acht Jahren kam ich aus Russland nach Deutschland. Was beginnt mit dem ersten Tag in einem fremden Land, und was ist es,...
Das Theater kann in der aktuellen Wertedebatte um die Begriffe «Heimat» und «Integration» eine besondere Stellung einnehmen. Es kann Haltung beziehen in seiner programmatischen Themensetzung, aber auch soziale Praktiken in seiner eigenen Arbeitsweise vorstellen.
Schon lange fühlen sich nicht alle Bevölkerungsschichten ins Theater geladen, das ist aber nicht erst...
«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...
