Hauptsache, die Botschaft stimmt!

Ferdinand Schmalz «Sanatorium zur Gänsehaut. Eine Entfaltung» (U), Björn SC Deigner «So langsam, so leise» (U) am Schauspiel Frankfurt

Theater heute - Logo

Wenn man in der Literatur auf Heilanstalten trifft, ist Vorsicht geboten. Von Friedrich Dürrenmatt bis zu Thomas Melle reichen allein die genrespezifischen Texte der Spätmoderne, in denen sich die typischen Verhältnisse verkehren und der Wahnsinn längst aufseiten der Behandelnden angekommen ist.

So auch im neuen Stück von Ferdinand Schmalz, das «Sanatorium zur Gänsehaut.

Eine Entfaltung» am Schauspiel Frankfurt: Ein vom Jugendwahn besessener Chirurg, gespielt von Wolfram Koch, der optisch mit Dauergrinsen und toupiertem Haar an Silvio Berlusconi erinnert, verfügt über die notwendigen Werkzeuge und Infusionen, um seine erlesenen Gäste jung zu halten. Unter ihnen die aufgetakelte, an Marilyn Monroe angelehnte Hannelore Krautwurm-Bouillon, für deren Exzentrik Anna Kubin viel Witz und Hingabe aufwendet. Da sie mit falschen Anti-Fett-Pillen Millionen verdient hat, ist die Journalistin Lio Laksch (Lotte Schubert) auf sie aufmerksam geworden. Aufgebrochen zu einer investigativen Recherche, endet sie aber bald selbst schon im Patientenkreis – und verliebt sich zu allem Unglück noch in die Tochter der reichen Betrügerin.

Regisseur Jan Bosse spart nicht mit einschlägigen Effekten, vor allem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Björn Hayer

Weitere Beiträge
Steppende Rabbis

Zugegeben: Nach gefühlt drei Jahren Kafka-Festspielen rund um das 100. Todesjahr des großen Autors des 20. Jahrhunderts ist die Kritikerin schon etwas ermattet. Gerade «Der Prozess», der nun auch in Barrie Koskys Musiktheaterabend «K.» die erzählerische Grundlage bildet, wurde zuletzt von Berlin bis Basel immer wieder neu erzählt: Offenbar trifft das um 1914/15...

Alle Jahre wieder

Schon länger liegen die Schokoladenweihnachtsmänner und Lebkuchenherzen in den Discountern aus, um die dunkle Jahreszeit zu versüßen und den Advent anzukündigen. Während Regen, Wolken und Kälte unsereinem das Gemüt zu verhängen drohen, sind es, wie jedes Jahr, ca. zweihundert Schauspielabsolvierende aller staatlich geförderten Ausbildungsinstitute aus Deutschland,...

Neuanfang mit Weltuntergang

Wenn man in den Spielplancomputer die Begriffe «Volkstheater», «Wien», «Nestroy», «Politisches Theater» und «20. Jahrhundert» eingibt, kommt dabei Jura Soyfer (1912–1939) raus. Der linke Wiener Autor, Sohn russischer Juden, schrieb im austrofaschistischen Ständestaat der 1930er Jahre Szenen und Stücke für Kabarettbühnen. Um die Zensur auszutricksen, packte Soyfer...