Steppende Rabbis

nach Kafka «K.» am Berliner Ensemble

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Zugegeben: Nach gefühlt drei Jahren Kafka-Festspielen rund um das 100. Todesjahr des großen Autors des 20. Jahrhunderts ist die Kritikerin schon etwas ermattet. Gerade «Der Prozess», der nun auch in Barrie Koskys Musiktheaterabend «K.» die erzählerische Grundlage bildet, wurde zuletzt von Berlin bis Basel immer wieder neu erzählt: Offenbar trifft das um 1914/15 geschriebene Romanfragment um die ominöse Verhaftung und Anklage des Protagonisten K. auch noch in der Spätmoderne ein Lebensgefühl diffuser Schuld und bürokratischer Undurchdringlichkeit.

Und dass hinter solchen Strukturen autokratische Willkür stecken kann, wird ja gerade wieder erschreckend real. Doch der australisch-jüdische Regisseur Barrie Kosky greift am Berliner Ensemble dann doch nochmal anders auf Franz Kafka zu.

Auf der leeren, dunklen Bühne steht anfangs ein Mensch in weißer Unterwäsche. Ein unbeschriebenes Blatt, zeitlos, androgyn, wie neu geboren – dabei ist K. einfach bloß aufgewacht. Auch nach dem Anziehen und in allen weiteren Begegnungen gelingt es Kathrin Wehlisch, ihre:n K. zwischen zeichenhaftem Allgemeinmensch und Individuum, tragischer Gestalt und komischem Clown zu balancieren und so durch den Abend ...

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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt

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