Steppende Rabbis
Zugegeben: Nach gefühlt drei Jahren Kafka-Festspielen rund um das 100. Todesjahr des großen Autors des 20. Jahrhunderts ist die Kritikerin schon etwas ermattet. Gerade «Der Prozess», der nun auch in Barrie Koskys Musiktheaterabend «K.» die erzählerische Grundlage bildet, wurde zuletzt von Berlin bis Basel immer wieder neu erzählt: Offenbar trifft das um 1914/15 geschriebene Romanfragment um die ominöse Verhaftung und Anklage des Protagonisten K. auch noch in der Spätmoderne ein Lebensgefühl diffuser Schuld und bürokratischer Undurchdringlichkeit.
Und dass hinter solchen Strukturen autokratische Willkür stecken kann, wird ja gerade wieder erschreckend real. Doch der australisch-jüdische Regisseur Barrie Kosky greift am Berliner Ensemble dann doch nochmal anders auf Franz Kafka zu.
Auf der leeren, dunklen Bühne steht anfangs ein Mensch in weißer Unterwäsche. Ein unbeschriebenes Blatt, zeitlos, androgyn, wie neu geboren – dabei ist K. einfach bloß aufgewacht. Auch nach dem Anziehen und in allen weiteren Begegnungen gelingt es Kathrin Wehlisch, ihre:n K. zwischen zeichenhaftem Allgemeinmensch und Individuum, tragischer Gestalt und komischem Clown zu balancieren und so durch den Abend ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt
Um dazuzugehören, muss die kleine Meerjungfrau ihren Körper verstümmeln und aufs Reden verzichten. Was für ein Bild! Hans Christian Andersens schmerzhafte Feststellung von 1837 ist bis heute nicht überholt. Auch Kim de l’Horizons Meerjungraun (ohne «f») siedeln noch im Spalt zwischen Konformität und Selbstverleugnung. Bloß sind sie heute gewarnt.
Ursu-la-Sorcière...
Es treten auf:
Die kleinen Meerjungraun
Marco
Ursu La Saucières
Das Allerleirau
Viele Erdaltraun
Eine richtig gute Suppe mit Fettaugen
An die möglichen Regien und Spieljs:
Identitäten sind nicht egal. Aus welchen Mündern der Text dann kommt, schon eher, aber auch nicht völligst. Es soll sehr ernst sein, und auch sehr lustig. Bitte. Im Zweifelsfall ernst, aber dafür...
Rechts ein Militärbunker, links ein Hochspannungsmast, und dazwischen – spie -gelverkehrt – der angerostete Schriftzug «Europe». Das riesige schwarze waste land, das sich davor in Richtung Rampe auftut, erinnert optisch an verbrannte Erde und beschaffenheitstechnisch an ein Bällebad zur Kinderbespaßung. Das sind sie also, die Reste des großen Vergnügungsparks...
