Wo der Bluff blüht
Zwei Pokerspieler, die ihre Karten nie offen auf den Tisch legen. Ost und West. Die Einsätze wachsen und schrumpfen im spekulativen Feuer; der Bluff blüht. Das Weiterspielen allein zählt, no game over. Dann fällt die Mauer 1989, die Karten sinken. Mit runtergelassenen Hosen steht der Zocker Ost. Wie kann man jetzt noch weiterspielen, wo sich das Blatt des Partners als so erbärmlich erweist?
Mit seinem Aufsatzband «Poker im Osten – Probleme der Transformationsgesellschaft» blickte der Soziologe Dirk Baecker 1998 auf die deutsche Nachwendezeit.
Der Sozialismus hat abgewirtschaftet, aber ohne ihn ist auch der Kapitalismus nicht mehr das, was er einmal war. Die illusionäre Erwartung, das System Ost ließe sich einfach überführen in die über vierzig Jahre bewährten Bonner Zustände, weicht der Erkenntnis, dass man sich längst inmitten einer gesellschaftlichen Umstrukturierung jenseits von Kapitalismus und Sozialismus befindet. Wie hier gespielt wird, ist unklar, offen auch, ob es überhaupt noch Poker ist. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel oder – mit dem Titel der einschlägigen Podiumsdiskussion im HAU – «nach der Wende ist vor der Wende».
Das Festival «Poker im Osten – Eine Beschwörung ...
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