Understanding Media
Wäre das Fernsehen eine überregionale Tageszeitung, wäre die «Kulturzeit» das Feuilleton. Jenes Zeitungsbuch also, das der kulturbeflissene Leser schlechterdings nicht ignorieren, wohl aber sorgsam gefaltet für eine spätere Musestunde zur Seite legen kann. Genau da fängt das Problem für die «Kulturzeit» an: Das Fernsehen mag mit seinen verschiedenen Informationssparten – Nachrichten! Sport! Unterhaltung! – inhaltlich organisiert sein wie eine Zeitung.
Einem darin enthaltenen Feuilleton stehen mit der Glosse, dem Bericht, dem Interview, dem Essay, den Kurzmeldungen sogar ganz ähnliche Formen zur Verfügung. Aber anders als das Zeitungsfeuilleton quält sich jedes TV-Kulturmagazin mit seiner notwendigerweise linearen Angebotsstruktur. So können die Leser der «F.A.Z.» oder der «taz» mit einem Blick auf die Kulturseiten auswählen, mit welchen Texten sie ihre Lesezeit verbringen wollen. Die Beiträge der «Kulturzeit» spulen sich aber stur hintereinander ab. Während der Leser, der sich nicht für Michel Houellebecqs neuesten Roman «Die Möglichkeit einer Insel» interessiert, also einfach etwas anderes lesen kann, muss der Zuschauer der «Kulturzeit» diesen Beitrag zwangsweise mitsehen – oder ...
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Ulrich Matthes, der den Shylock in der «Kaufmann von Venedig»-Inszenierung des Deutschen Theaters spielt, hat, so mein Eindruck, sorgfältig überlegt, klug durchdacht und hart daran gearbeitet, wie man der heiklen und alle Kräfte und Künste herausfordernden Rolle des jüdischen Geldverleihers beikommt, den seine «christlichen» Konkurrenten, die venezianischen...
In der Not der Erfindung ist die Hoffnung das Archiv. Dort liegen die gesicherten Schätze der Vergangenheit für all jene griffbereit, die Angst haben, etwas falsch zu machen. Und das Archiv als solches ist heute so groß, tief und weltumspannend, dass der arme Künstler, der mit dem Mut den Einfall verloren hat, vielleicht sogar hoffen darf, fremde Ideen unbemerkt...
Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum,...
