Understanding Media
Wäre das Fernsehen eine überregionale Tageszeitung, wäre die «Kulturzeit» das Feuilleton. Jenes Zeitungsbuch also, das der kulturbeflissene Leser schlechterdings nicht ignorieren, wohl aber sorgsam gefaltet für eine spätere Musestunde zur Seite legen kann. Genau da fängt das Problem für die «Kulturzeit» an: Das Fernsehen mag mit seinen verschiedenen Informationssparten – Nachrichten! Sport! Unterhaltung! – inhaltlich organisiert sein wie eine Zeitung.
Einem darin enthaltenen Feuilleton stehen mit der Glosse, dem Bericht, dem Interview, dem Essay, den Kurzmeldungen sogar ganz ähnliche Formen zur Verfügung. Aber anders als das Zeitungsfeuilleton quält sich jedes TV-Kulturmagazin mit seiner notwendigerweise linearen Angebotsstruktur. So können die Leser der «F.A.Z.» oder der «taz» mit einem Blick auf die Kulturseiten auswählen, mit welchen Texten sie ihre Lesezeit verbringen wollen. Die Beiträge der «Kulturzeit» spulen sich aber stur hintereinander ab. Während der Leser, der sich nicht für Michel Houellebecqs neuesten Roman «Die Möglichkeit einer Insel» interessiert, also einfach etwas anderes lesen kann, muss der Zuschauer der «Kulturzeit» diesen Beitrag zwangsweise mitsehen – oder ...
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