Hart aber fair
Als nekrophile Misogynie hat Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen unser kulturgeschichtliches Tamtam um verblichene Frauen -figuren einmal bezeichnet: also als einen Frauenhass, der die Tote liebt. Und was zunächst nach einer eher speziellen psychischen Störung klingt, ist doch mindestens ein wiederkehrendes Motiv, wenn nicht gar stabiles Standbein der Weltliteratur. Bezeugen können das Carmen, Ophelia, Lady Macbeth, Laura Palmer – oder all die anderen Hauptfiguren der Collage «Sehr schön und sehr tot» im Braunschweiger Staatstheater.
Gemeinsam mit ihrem Ensemble hat sich Regisseurin Rebekka David durch Bühnen-Klassiker und Femizid-Nachrichten gegraben und sie zur «musikalischen Séance» verwoben: einem zweistündigen Abend aus Szenen und Songs entlang einer eher unverbindlichen Rahmenhandlung. Als Ermittlerinnen in weißem Gewand und schwarzem Schnäuzer am Gummizug klettern und rutschen Gina Henkel und Amy Lombardi über einen hölzernen Hügel, wo sie Tatorte inspizieren und literaturgeschicht -lichen Morden nachgehen. Ton und Form mäandern zwischen Kalauern, Chansons über Liebe und echter Wut darüber, abends Bescheid sagen zu müssen, wenn man es als Frau im Dunklen sicher ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Jan-Paul Koopmann
7. März 2022
Ich habe diese Zeilen so lange wie möglich aufgeschoben. Ihr habt keine Ahnung, wie viele Fragen mir gestellt werden:
– Warum gehst du nicht? Bist Du noch immer in Kiew?? – Denk an dich! Du musst leben! Wir brauchen dich!
– Bist Du verrückt geworden? Wir besorgen Dir ein gepanzertes Fahrzeug, um euch rauszuholen, Du wärest nicht die Letzte,...
Die Hölle sieht aus wie eine Premierenfeier der Salzburger Festspiele: Vor einer kahlen Wand steht ein Buffet, daneben eine Skulptur des österreichi -schen Ironiekünstlers Erwin Wurm, eine jener Gurken, die auch vor dem Festspielhaus aufgereiht sind. Allerdings in gediegenem Weiß, und nicht wie an der Salzach in Grün. Minimalistisch ist dieses Inferno, das Martin...
ALTENBURG/GERA, TPT
2. King, Foxfinder
R. Louis Villinger
23. Haidle, Alles muss glänzen
R. Matthias Thieme
29. McDonagh, Der Krüppel von Inishman
R. Manuel Kressin
AUGSBURG, SENSEMBLE
14. Löhle, Genannt Gospodin
R. Gianna Formicone
BADEN-BADEN, THEATER
8. Ibsen, Gespenster
R. Otto Kukla
29. McArthur nach Austen, Stolz und Vorurteil* (*oder so)
R....
