Hart aber fair

Rebekka David & Ensemble «Sehr schön und sehr tot» (U) im Staatstheater Braunschweig

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Als nekrophile Misogynie hat Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen unser kulturgeschichtliches Tamtam um verblichene Frauen -figuren einmal bezeichnet: also als einen Frauenhass, der die Tote liebt. Und was zunächst nach einer eher speziellen psychischen Störung klingt, ist doch mindestens ein wiederkehrendes Motiv, wenn nicht gar stabiles Standbein der Weltliteratur. Bezeugen können das Carmen, Ophelia, Lady Macbeth, Laura Palmer – oder all die anderen Hauptfiguren der Collage «Sehr schön und sehr tot» im Braunschweiger Staatstheater.

 

Gemeinsam mit ihrem Ensemble hat sich Regisseurin Rebekka David durch Bühnen-Klassiker und Femizid-Nachrichten gegraben und sie zur «musikalischen Séance» verwoben: einem zweistündigen Abend aus Szenen und Songs entlang einer eher unverbindlichen Rahmenhandlung. Als Ermittlerinnen in weißem Gewand und schwarzem Schnäuzer am Gummizug klettern und rutschen Gina Henkel und Amy Lombardi über einen hölzernen Hügel, wo sie Tatorte inspizieren und literaturgeschicht -lichen Morden nachgehen. Ton und Form mäandern zwischen Kalauern, Chansons über Liebe und echter Wut darüber, abends Bescheid sagen zu müssen, wenn man es als Frau im Dunklen sicher ...

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Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Jan-Paul Koopmann

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