Hannover: Deutsche Kälte

Sascha Hawemann/Johannes Kirsten «Iggy – Lust for Life» (U)

Gutes Altern zählte nie zu den Idealen von Punk. Aber musste er denn selbst so übel verfallen? Sex-Pistols-Sänger John Lydon lobt heute den Brexit, Henry Rollins spielt vor US-Soldaten in Afghanistan, Campino ist sozialdemokratischer Vorzeigepunk. Und Iggy Pop? Gibt das Werbegesicht für die Deutsche Bahn. Der Spot ist eine bösartige Demütigung, nicht zuletzt weil mit «The Passenger» im Hintergrund auch noch ein ikonischer Iggy-Pop-Song läuft. Tja.

Aufgenommen wurde «The Passenger» 1977 in den Berliner Hansa-Studios.

Pop befand sich  nach Auflösung seiner Band The Stooges in einer Krise; gemeinsam mit dem befreundeten David Bowie zog er für zwei Jahre nach Berlin. Wo beide in kürzester Zeit auflebten: «Kein Eigenkotzelecken mehr wie im Four Seasons in New York!», ruft die Iggy-Figur in Sascha Hawemanns und Johannes Kirstens «Iggy – Lust for Life» aus und tauscht so Popstarglamour gegen deutsche Kälte ein. Ästhetisch lieferten die Berliner Jahre mit Pops «The Idiot» und «Lust for Life» und Bowies «Low» und «Heroes» interessante Ergebnisse, die freilich nicht gratis zu haben waren: Beider Drogenkonsum entwickelte sich zur ausgewachsenen Abhängigkeit, bei Bowie gepaart mit ...

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Theater heute März 2019
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber