Die goldene Provinz

Zwischen Thespiskarren und Resterampe: Die Gastspieltheater-Branche poliert ihr angestaubtes Image auf – ein Besuch bei der Inthega-Verkaufsmesse in Bielefeld

Hier gibt es nichts, was es nicht gibt», sagt Christian Kreppel und schaut von der Empore hinab in den Saal der Bielefelder Stadthalle. Eine kleine Budenstadt ist dort zu sehen mit knapp 200 Ausstellern. Die haben über 170 Stände belegt, und durch die Gassen wuseln jetzt an diesem Nachmittag die Interessenten und Kunden, die Aussteller und Anbieter.

Man sieht seriöse Herren im Manager-Outfit und herausgeputzte Damen, junge Frauen im kecken Hostessendress – dort hinten aber auch einen lustigen Typen im Gauklerkostüm, da stolziert eine mondäne Drag-Queen, zwischen ihnen bahnt sich energisch eine Art Zirkusdirektor den Weg. Der Herr misst vielleicht gerade einmal 150 Zentimeter; seine Gattin thront ihrerseits auf einem hohen Stuhl und ruft aus, dass man bei ihrem Varieté aus dem Staunen nicht mehr herauskommen werde. 

Läuft man dann selber ein wenig an den Boxen entlang, die mit bunten Plakaten verwirrend wie ein Gemischtwarenladen geschmückt sind («Bibi Blocksberg» und «Er ist wieder da»), wird man gleich angepeilt und angesprochen, gelockt mit Prospekten und versprochenen außergewöhnlichen Attraktionen. Man möge nur herantreten, solch einen Shakespeare gebe es sonst nirgendwo, solche Virtuosen müsse man suchen! Zwischen Illusion und Zirkus-Akrobatik kann man wählen, Puppenspiel und klassische Musik sind im Angebot, Stepptanz und Schlager, «Stille Nacht» und die «Blues Brothers», Komödienstadel und ein Stück von John von Düffel, «Romeo und Julia» und ein «Tribut an Michael Jackson» ... 

An einigen Ständen gibt es die neuesten Ticket-Systeme, und hier sagt ein junger Mann: «Wir gucken kaum Kunst, wir machen nur Netzwerk.» Dann reicht man Häppchen und Sekt aus Plastikbechern.

Die jährliche Inthega-Messe

Eine typische Messe-Atmosphäre für ein Produkt, das man eigentlich auf keiner Messe vermuten würde: für Theater. In all seinen Spiel- und Abarten – von Impro bis Show, von Tingeltangel bis Klassik, von Comedy bis Drama, gemacht von Profis und Amateuren, erdacht und geschrieben von alten Meistern und jungen Dramatikern, von Unbekannten und Hobbykünstlern. Alljährlich richtet die Inthega, die «Interessengemeinschaft für Städte mit Theatergastspielen», solch einen Markt für ihre rund 400 Mitglieder und Organisationen aus, auf dem Tourneebühnen ihre neuen Produktionen präsentieren und kommunale Kulturmanager einkaufen für die kommende Saison. Nicht nur Kay Metzger, langjähriger Leiter des Nordharzer Städtebundtheaters und heute Intendant in Ulm, stürzt das in eine regelrechte «Sinnkrise», weil hier die Kunst zur «schnöden Ware» werde, um die man mitunter «schamlos» feilscht. 

Das Geschäft läuft dennoch gut, auch wenn Christian Kreppel, Präsident der Organisation, selbstkritisch meint, dass die große Zeit dieser Sparte wohl vorbei sei, man endlich umdenken müsse. In den 90er Jahren noch tourten unzählige Bühnen mit Boulevard und Schauspiel im Gepäck durch die Republik und konnten in der Regel mit bekannten Namen aufwarten: Ihre Zugnummern waren Schauspieler, die durch Film und Fernsehen berühmt geworden waren, und man ging mit Stücken auf die Reise, die in Stadttheater und Mehrzweckhallen und zu einem Publikum passten, das in den Kleinstädten unter kultureller Unterversorgung litt. Dort kamen die Stars an, spielten einen Abend in Moers und waren am an­deren Tag schon wieder in Dinkelsbühl, in Detmold oder Schüttdorf. Sie waren nicht wählerisch und spulten ihr Repertoire in prunkvollen Theaterhäusern ebenso ab wie in öden Turnhallen, wo das Parkett sonst der Ort ist, auf dem Leibesübungen und Karnevalsbälle stattfinden.

Bis zu 85 neue Gastspiel-Produktionen gab es im deutschsprachigen Raum damals jährlich, die «in die Fläche» verschickt wurden, wie das im Insider-Jargon heißt. Das war die Hoch-Zeit der Branche, aber bis heute hat sich nichts an der Logistik geändert: fix und fertig produziert, verpackt auf Sattelschlepper, nachmittags Auf- und in der Nacht wieder Abbau, verladen und weiter. Doch keiner der prominenten Darsteller war sich zu fein dafür, in Pforzheim oder Bad Münstereifel aufzutreten, in Siegen oder Eschborn – es gehörte für viele einfach dazu, «über die Dörfer» zu gehen, wie man das poetisch nennen könnte, wenn es nicht so unromantisch und hart getaktet ablaufen würde. Der ideelle Künstlerlohn: dankbarer Applaus in Lennestadt, Jubel gar in Schweinfurt. 

Oder zum Beispiel in Fürth. In der Hotellobby sitzen an diesem Morgen nach der Vorstellung der Komödie «Als ob es regnen würde» von Sébastien Thiéry die Schauspieler Nora von Collande und Herbert Herrmann, sehen müde aus und sind dennoch zufrieden. Ein Ehepaar sind sie im wirklichen Leben und meistens auch auf der Bühne in Stücken, die dieses Leben so ähnlich schreiben würde: heiter, ein bisschen spannend und meist gut ausgehend. Gestern Abend das Publikum hat sich bestens unterhalten. 

Die Leute für eine Weile glücklich machen

Die beiden sind unermüdlich seit Jahren auf Tour, wobei sie das Wort «Tournee» überhaupt nicht gerne hören. «Das klingt nach dürftigen Kulissen», sagt Herrmann, und sein charmantes Lächeln, das man aus dem Fernsehen der 70er und 80er Jahre kennt, kippt etwas: «Wir sagen lieber Gastspiel-Reise. Und diese Art von Theater hat für uns überhaupt nichts Billiges oder Provinzielles an sich, nur weil wir es zu den Menschen bringen, die sonst nur schwer in den Genuss solch einer Unterhaltung kommen.» Das Paar hat sich ganz bewusst gegen feste Engagements in Stadt- oder Staatstheatern entschieden: «Es ist ein großer Spaß, die Leute für eine Weile glücklich zu machen», und dann folgt ein Lob der Freiheit und der Lebendigkeit, der Abwechslung und auch der dennoch irgendwie engen Beziehung zwischen Künstlern und einem treuen Publikum. Da steht irgendwo dann auch schon mal der Bürgermeister persönlich vor der Vorstellung auf der Bühne und begrüßt das «fahrende Volk».

Aber Collande und Herrmann, die ihre populären Stücke meist in den kleinen Theatern in Paris finden, merken natürlich auch, dass sich in der Branche etwas tut. Früher waren bei ihnen 250 Vorstellungen einer Inszenierung keine Seltenheit, aber heute gebe es ja beinahe 50 Prozent der ehemaligen Auftrittsorte im deutschsprachigen Raum gar nicht mehr. Zudem gingen immer weniger wirkliche Schauspieler auf Gastspielreise; sie werden abgelöst von Comedians oder Serienstars mit ihren One-Man-Shows: «Der Markt wird kaputt gemacht.» 

Vielleicht singt Herrmann deshalb sein Hohes Lied auf den soliden, intelligenten, sprachlich geschliffenen Boulevard französischer Machart, weil er zurückdenkt an die Jahre, da der noch eine richtige Kunst war und heiter ernst genommen wurde. Er und seine Frau beherrschen die nach wie vor, und in «Als ob es regnen würde» spielen sie sich so elegant wie souverän, augenzwinkernd und komisch durch die Alltags-Fährnisse, lassen die Türen klappen und die Bonmots prasseln, treiben die Pointe vor sich her und servieren sie ohne Mikroports und sonstwelchen technischen Schnickschnack, als wäre die Zeit stehen geblieben. Das funktioniert fernab der großen Feuilletons und ohne zerpflückendes Kritikerurteil, das hat seine Tradition und seine Berechtigung: Live ist es, handgemacht, und die Zuschauer haben sich hübsch angezogen und sind mal wieder ausgegangen. 

Jetzt aber müssen Herrmann und Collande noch schnell ihren Bühnentechniker treffen, bevor der wieder weiter, ihnen voraus, zum nächsten Spielort fährt: Die neue Produktion soll besprochen werden; auch darum kümmern sich die Schauspieler unterwegs.

Beispiel Konzertdirektion Landgraf

Das Inthega-Spielplan-Journal, der Katalog mit den Gastspielangeboten für 2019/20, ist immer noch knapp 400 Hochglanzseiten dick, aber das Angebot ist schon lange nicht mehr vergleichbar mit dem, was die einmal boomende Branche noch vor Jahrzehnten auf Reisen schicken konnte. «Die Medienlandschaft hat sich extrem verändert», meint denn auch Dirk Lattemann, Teamleiter bei der Konzertdirektion Landgraf, einem der ältesten Anbieter: Wenn man so will, dann war Landgraf einmal eines der größten Theater der Republik, obwohl man über kein festes Haus und Ensemble verfügte. Noch 2012 hatte man 60 Angestellte, zwölf Lkw, und pro Saison wurden knapp 20 neue Schauspielproduktionen gestemmt. 

Als rein privatwirtschaftliches Unternehmen trägt Landgraf natürlich auch heute noch das Risiko: Die Städte buchen pauschal, wenn vor halbleeren Rängen oder oft auch nur trostlosen Stuhlreihen gespielt werden muss, geht das zu Lasten der Konzertdirektion. Zwar könne man nach wie vor nicht auf bekannte Namen, die mal sichere Zugpferde waren, verzichten, sagt Lattemann, aber diese bringen den «Thespiskarren» (natürlich nennt sich ein Veranstalter so) eben längst nicht mehr so wie früher in Schwung. Und eine «Resterampe» für den solid-seriösen Fernsehschauspieler aus besseren alten Zeiten, der zäh vom vergangenen TV-Ruhm zehrt, wollen die Agenturen nicht mehr sein.

Was nicht heißen soll, dass das Interesse an Theater in der Provinz nachgelassen hätte. Und Lattemann und seine Kollegen sehen in dieser Entwicklung sogar eine Chance. Man will heraus aus der «Schmuddel­ecke», wie der Kulturmanager das Image nennt, das den Tourneebühnen immer noch ein bisschen anhängt. Das nur komische Fach, unter- und dargebracht in billigen und windigen Kulissen, aufgemotzt durch eine Berühmtheit, neben der die anderen Schauspieler wie schlecht bezahlte Statisten wirken: Damit kann man auch der kleinsten Stadt nicht mehr kommen. Gefragt sei heute dagegen «aktuelles, inhaltlich anspruchsvolles Schauspiel», thematisch auf der Höhe der Zeit, Theater, das auch im hinteren Winkel der Republik nicht allein als Amusement, sondern als Herausforderung erwartet wird: «Terror» wird gespielt oder «Geächtet», aktuelle Stücke von Philipp Löhle oder Daniel Kehlmann werden produziert. Christian Kreppel bringt es auf den Punkt: «Weg vom Schenkelklopfen und hin zu den Inhalten.»

In Bielefeld gab es am ersten Messe-Abend obligatorisch die Preisverleihung für die besten Gastspiel-Produktionen der vergangenen Spielzeit, ausgewählt von einer Fachjury. Und da konnte man merken, wie ernst es der Inthega und ihren Mitgliedern ist mit dem Kulturauftrag, den sie fahrend erfüllen möchten. Nicht die leicht eingängige Kost wurde da ausgezeichnet, sondern Inszenierungen von «Blue Moon», «Die Glasmenagerie», «Tod eines Handlungsreisenden» oder auch «Unterwerfung», biografische Stücke über Martin Luther oder Hildegard von Bingen. Entstanden sind sie im Theater an der Josefstadt in Wien, in der Komödie am Kurfürstendamm, im Westfälischen Landestheater oder dem Altonaer Theater, wo sie Premiere hatten, um dann ins Land hinauszugehen, wo sie zusammengerechnet Hunderttausende erreichten. Über diesen spürbaren inhaltlichen Wandel ist nicht zuletzt einer wie Christian Kreppel glücklich, und er betont selbstbewusst: «Wir haben alle die gleichen Themen und Probleme.»

Input Landesbühnen und Bundeskulturstiftung

Es liegt nicht wenig an ihm, dass sich das Image der Inthega mittlerweile spürbar verändert hat. Noch vor wenigen Jahren klagte Kreppels Vorgänger über «das Mittelmaß» des allgemeinen Angebots, hielt das Niveau für «verflacht» und forderte «mehr Mut». Und heute sind auf einmal auch die Landesbühnen, lange Zeit argwöhnische Konkurrenz, mit ihren vielfältigen Inszenierungen und einem gehobenen Spielplan-Niveau als starker Partner dazugekommen. Sie versorgen zusammen mit den reinen Tourneetheatern das weite Land und gastieren in Städten, die freilich immer mehr zu leiden haben unter Sparzwang und die billigere und beliebigere Eventkultur vorziehen. Selbst die Bundeskulturstiftung ist Mitglied der Organisation geworden und versucht, mit gezielt geförderten Tanzprojekten längerfristig die Bürger an die örtlichen Kultureinrichtungen zu binden. Inthega ist kein Nischenverein mehr, kein Sammelbecken, in dem sich alles tummelt, was irgendwie Bühnentaugliches zu bieten hat. Die netzwerkerischen Möglichkeiten und Verbindungen des Dachverbands nehmen selbst Bühnen wie die Bremer Shakespeare Company oder Roberto Ciullis Theater an der Ruhr in Anspruch.

Das moderne Gastspieltheater, wie Kreppel es vorschwebt, sollte eine Mischform und könnte heute Modell für viele kleinere Städte sein, für strukturschwache Gegenden, die kulturell veröden, für feste Häuser, die ums Überleben kämpfen. Kreppel rechnet vor: «Ein produzierendes Theater kostet in der Unterhaltung jährlich rund fünfzehn Millionen Euro. Ein Gastspieltheater kostet die Stadt hingegen nur vier Millionen Euro. Eine Mischung von beiden Theaterformen könnte letztlich dazu beitragen, das föderale System der Theaterlandschaft zu erhalten.»

Apollo-Theater Siegen

Also Siegen zum Beispiel. Das dortige Apollo-Theater ist wieder im Gespräch und steht auch finanziell gut da. Intendant Magnus Reitschuster hat es geduldig und gegen anfänglich kommunal-provinzielle Skepsis von einer abgewirtschafteten Veranstaltungsklitsche zu einer Bühne gemacht, die in der deutschen Provinz ziemlich einzigartig sein dürfte. Sicher, man sieht bei ihm auch «Ein Mann fürs Grobe» oder «Verteufelte Zeiten», Komödien, wie sie auf der Messe in Bielefeld auf Litfaß­säulen angepriesen und von den veranstaltenden Städten als publi­kumswirk­same Renner ungesehen gebucht werden. Dazu kommen in Siegen aufwendige Eigenproduktionen, die sich meist mit historischen lokalen Ereignissen befassen. Die kommunale Kasse muss schließlich stimmen.

Doch Reitschuster leistet sich aufgrund solcher Einnahmepolster und gewinnbringender «Einschaltquoten» dann eben auch Hochkarätiges. Man musste sich etwa in der Spielzeit 2016/17 nicht umständlich von Siegen nach Berlin, Frankfurt oder München bewegen, um «The Situation» vom Gorki Theater zu sehen, «Lampedusa» aus Bochum, «Die (s)panische Fliege» von der alten Volksbühne mit Wolfram Koch und Sophie Rois, «Was ihr wollt» aus Hannover oder die zum Theatertreffen eingeladenen «Väter und Söhne» vom Deutschen Theater. Die großen Häuser sind nämlich keineswegs abgeneigt, sich in den Gastspiel-Reigen einzureihen, man müsse sie nur einladen, meint Reitschuster, dann kämen sie auch gerne einmal vorbei.

Selbst wenn technische Kapriolen geschlagen werden müssen. Damals, vor der Fritsch-Vorstellung in Siegen, erläuterte Reitschuster seinem Publikum stolz, dass es zwar Schwierigkeiten dabei gebe, Hauptstadt-Theater in die Provinz zu verfrachten – aber keine Entschuldigung dafür, es nicht doch zu wagen. «Wir stehen hier auf den Brettern, die die Siegener Theaterwelt bedeuten», sagte er: «Sie sind um fünf Meter verlängert und um 1,10 Meter erhöht, um die heutige Vorstellung zu ermöglichen. Geschafft hat das unsere Technik mit den Kollegen von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. ‹Ihr seid verrückt›, haben die gesagt. Ver-rückt sein ist ein hohes Lob in der Theaterwelt. Und wenn dies aus dem ver-rücktesten, radikalsten Theater dieser Republik kommt, ist es das größte anzunehmende Lob, das wir gerne annehmen.» 

Das «Bespieltheater», zu dem Reitschuster steht, weil es ungeahnte neue Möglichkeiten bietet, verliert so sein etwas ranziges Hautgout, streift sein biederes Gewand ab, entwickelt sich zur temporären Kult-Kunststätte und wird zum wesentlichen Kommunikationsort in einer Provinz, die abgeschrieben und nicht selten aufgrund politischer Schieflagen als rückständig und – vornehmlich im Osten – auch als gefährlich reaktionär eingestuft wird. Und gerade nicht «das Identitär-Rückwärtsgewandte, sondern die zukunftsweisende Gestaltung der diversen interkulturellen Realitäten» will Reitschuster mit seinem klugen Programm, und er ist überzeugt: «Das Theater hat sich immer als ein Ort der geistigen und kulturellen Identität im Herzen der Stadt verstanden.»

In Bielefeld auf der Theatermesse läuft derweil der kleine Theaterdirektor der mächtigen Drag-Queen beinahe in die langen Beine, bei Landgraf schließt man zufrieden das Geschäft mit einer Kommune ab, die «Eine Familie» von Tracy Letts und «Bella Figura» von Yasmina Reza gebucht hat; nebenan das «Theater zwischen den Dörfern» würde noch gerne das Kinderstück «Das Meerdings» besser verkaufen, in Frack und Fummel wirbt ein Konzertveranstalter für «Spanische Visionen» oder Wiener Träume, an einem anderen Stand versucht ein Vertreter, die Vorteile eines «webbasierten Ticketingsystems» zu erläutern, und die nette Hostess drückt einem Zettel in die Hand, auf denen gleichzeitig eine heiße Havanna-Revue und eine russische Zirkusshow «on ice» empfohlen wird. 

Kulturelle Wechselbäder, wie man sie hier ohne Not erleben kann, kulturelle Wirklichkeit aber auch im etwas abseits gelegenen Deutschland zwischen Mainstream, Anbiederung und Anspruch. Und Inthega-Chef Christian Kreppel, hauptamtlich übrigens Theater- und Kulturamtsleiter in Schweinfurt und damit schon selber perfekter Zielgruppen-Vertreter, steht auf der Empore der Bielefelder Stadthalle, blickt zufrieden hinunter und sagt dann fast ein wenig trotzig: «Provinz ist irgendwie ein goldener Begriff ...»


Theater heute März 2019
Rubrik: Report Tourneetheater, Seite 40
von Bernd Noack