Konstantin Küspert: sklaven leben

© Suhrkamp Theater Verlag 2019

«unsere väter lebten angenehm. sie hatten rinder und feldfrüchte;
sie hatten salzsümpfe und bananenbäume.
plötzlich sahen sie ein großes schiff aus dem ozean emporsteigen.
dieses schiff hatte vollständig weiße flügel, die wie klingen funkelten.
weiße männer kamen aus dem wasser und sprachen worte, die niemand verstand.
unsere vorfahren ergriff die furcht; sie sagten, das seien vumbi,
geister, die von den toten zurückkehrten.
sie trieben sie mit pfeilhageln zurück ins meer.
die vumbi aber spien mit donnergeräusch feuer.

viele menschen wurden getötet.
unsere vorfahren flohen.
die häuptlinge und weisen männer sagten, diese vumbi seien die früheren besitzer des landes.
von damals bis zum heutigen tage haben die weißen uns nichts gebracht als kriege und elend.
– mukunzo kioko, geschichtenerzähler des pende–volks 

«denn es ist ein ewiges gesetz in der ganzen welt:
wenn eine feindliche stadt erobert wird,
so ist die person und die habe der einwohner eigentum der eroberer.»
– xenophon: xenophon, kyrupädie, vii 5,73 

ich sah der menschen angstgehetz;
ich hört der sklaven frongekeuch.
da rief ich laut: brecht das gesetz!
zersprengt den staat! habt mut zu euch!
– erich mühsam
 

 

mono.sklave ...

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Theater heute März 2019
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
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