Freiburg: Parfümierte Fäulnis
Geschichte, wie sie Alexandre Dumas Mitte des 19. Jahrhunderts verstand, war «der Nagel, an dem ich meine Romane aufhänge». Die Folge: Nirgends flatterten die Mäntel kühner als beim Graf von Monte Christo, nirgends klirrten die Degen spektakulärer als bei den Musketieren. Der Nagel für «Die Bartholomäusnacht» hat allerdings deutlich Rost angesetzt; an ihm allein könnte man Dumas’ Nachruhm kaum aufhängen. Zu fern, zu fremd das 16. Jahrhundert. Zu höfisch, zu elegant die Sitten im alten Louvre, von wo aus Karl IX.
sein durch die Dolche ritterlicher Glaubenskrieger zerrissenes Reich regiert.
Glaubenskrieger? Die dürften das Theater Freiburg und das deutsch-polnische Dramaturgenteam um Regisseurin Ewelina Marciniak bewogen haben, den kurzweiligen 700-Seiten-Wälzer auf seine Machtspielmotive abzuklopfen. Da wird man ja reichlich fündig. Denn hinter der Eleganz verbirgt sich Fanatismus, unter Samt und Seide blinkt das Panzerhemd.
Die Bartholomäusnacht fand statt am 24. August 1572. In den Gassen von Paris wurden Tausende Hugenotten niedergemetzelt. Ihre Elite, angelockt von der Hochzeit des protestantischen Königs Henri von Navarra mit Marguerite, der Schwester des katholischen Königs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter
Die Studiobühne des Burgtheaters, das Vestibül im linken Flügel des Haupthauses, ist ein denkbar schwieriger Theaterraum. Gegen die klassizistische Pracht der von Marmorsäulen gesäumten Wände muss man erst einmal anspielen, und für Raumgestaltungen, die das dominante Ambiente entschärfen könnten, ist zu wenig Platz. Eigentlich brutal, dass ausgerechnet das Vestibül...
Sie hören nicht wirklich zu, während sie kaugummikauend und viel zu schnell pseudoteilnahmsvoll «ah… ah… ah…» sagen. Sie rücken beim Bewerbungsgespräch so dicht an ihr Gegenüber heran, bis sich die Knie berühren. Sie sitzen entspannt auf dem Sofa, die Beine fallen locker nach außen, und wollen einfach ein bisschen Spaß. Vor allem aber taxieren sie ständig die...
Es ist ein Jammer, dass bewundernswerte Bühnendarsteller und -darstellerinnen mit zunehmendem Alter keine nennenswerten Aufgaben im Theater mehr übernehmen oder erhalten, um dann eine unerwartete Popularität mit Fernsehserienkitschrollen zu erleben – wie etwa Christiane Hörbiger oder Ulrich Pleitgen. Und so endete die Karriere der zu DDR-Zeiten gefeierten und jetzt...
