Handys hacken
Da fährt sie ein, die leicht bekleidete, weiße Braut, hoch erhoben im gelben Taxi, mitten in die traditionelle Chefferie Nsimeyong, ein heiliges, traditionelles Dorf mitten in Jaundé, der Hauptstadt Kameruns. Statt eines Schleiers trägt die französische Performance-Künstlerin Karelle Prugnaud ein leuchtendes Instagram-Ringlicht auf dem Kopf. «Like! Like!», schreit sie und wirft Rosenblätter in die Menge. Doch das dopamingekickte Glück der Influencerin verwandelt sich schnell in Stress: Aus dem Off werden maschinelle, misogyn grollende Kommentare eingespielt.
«Deine Beine sind hässlich.» «Du bist fett.» «Ich kenn deine Adresse.» Immer schneller dreht sie sich, ihr Brautkleid wird blutig, sie streift es ab, rast in Unterwäsche durch die Menge, gepeinigt vom Audio-Internet-Mob. Bis sie sich zum Schluss ein Handy von den Zuschauern greift, noch mehr Smartphone-Attrappen in die Mitte des Platzes wirft. Mit einem Hammer auf sie losgeht. Die rund 30 Kinder des Dorfes dazuholt. Zusammen schlagen sie auf den Haufen von Endgeräten ein, die unser aller Wahrnehmung gekapert haben.
Ein krasser Kultur-Clash findet hier statt zwischen den herumtollenden Kindern, die allerdings auch ziemlich oft ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: International, Seite 52
von Dorothea Marcus
«Wo kommen wir hin, wenn wir uns immer am Nachbarn orientieren?», fragen sie in Einsiedeln – und haben sich deshalb auch perfekt mit ihrer Bürgerin Alice Weidel arrangiert. Ein bisschen bloß stört man sich hier, dass die mit einer Frau zusammenlebt und diese Frau auch noch dunkelhäutig ist. Aber der Rest? Kein Problem. Deutschland ist weit weg. So weit weg aber...
Theater heute «Wokey Wokey» trägt sein Thema im Titel. Es geht um eine gescheiterte Neuverfilmung von George Orwells «1984», bei der die Sprech- und Denkverbote mit woken Thesen gleichgesetzt werden. Das Thema verfolgt Sie: Schon 2017 haben Sie im Berliner Gorki Theater ihr Stück «The Sequel» uraufgeführt, in dem es ebenfalls um eine Neuverfilmung von «1984» geht,...
Mit dem Knüppel in der Hand kämpf ich fürs Vaterland. Drauf auf den Anarchist, ich bin ein Polizist», donnert der Sound der Thüringer Band Schleimkeim über die Bühne, deren Punk-Attitüde schon zu DDR-Zeiten so manches Gemeindehaus hat erzittern lassen – woanders konnten die negativ-dekadenten Jugendlichen vom Dorf schließlich nicht auftreten. Dabei stand doch...
