Handys hacken
Da fährt sie ein, die leicht bekleidete, weiße Braut, hoch erhoben im gelben Taxi, mitten in die traditionelle Chefferie Nsimeyong, ein heiliges, traditionelles Dorf mitten in Jaundé, der Hauptstadt Kameruns. Statt eines Schleiers trägt die französische Performance-Künstlerin Karelle Prugnaud ein leuchtendes Instagram-Ringlicht auf dem Kopf. «Like! Like!», schreit sie und wirft Rosenblätter in die Menge. Doch das dopamingekickte Glück der Influencerin verwandelt sich schnell in Stress: Aus dem Off werden maschinelle, misogyn grollende Kommentare eingespielt.
«Deine Beine sind hässlich.» «Du bist fett.» «Ich kenn deine Adresse.» Immer schneller dreht sie sich, ihr Brautkleid wird blutig, sie streift es ab, rast in Unterwäsche durch die Menge, gepeinigt vom Audio-Internet-Mob. Bis sie sich zum Schluss ein Handy von den Zuschauern greift, noch mehr Smartphone-Attrappen in die Mitte des Platzes wirft. Mit einem Hammer auf sie losgeht. Die rund 30 Kinder des Dorfes dazuholt. Zusammen schlagen sie auf den Haufen von Endgeräten ein, die unser aller Wahrnehmung gekapert haben.
Ein krasser Kultur-Clash findet hier statt zwischen den herumtollenden Kindern, die allerdings auch ziemlich oft ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: International, Seite 52
von Dorothea Marcus
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