Hamlet im Eisenbahnwerk
RAW – drei Buchstaben, überlebensgroß aus verwitterten Stahl, stehen auf der Bühne, die zunächst noch nach vorne geschlossen ist mit einer vergilbten Fensterwand. Drei Buchstaben, die ein Rätsel aufgeben, doch dem kundigen Cottbuser sogleich einen festen Ort markieren. Sie stehen für das Reichsbahnausbesserungswerk, das irgendwann in den 1990er final abgewickelt wurde. Immerhin aktuell investiert die Bahn wieder Millionen in ein neues ICE-Wartungswerk, aber hier war der Traum erstmal aus und die Zeit somit aus den Fugen.
Zum Ende seiner Zeit im Leitungsteam der Schauspieldirektion am Staatstheater Cottbus schickt Armin Petras einen «Hamlet» auf die große Bühne, sein Vorgänger Jo Fabian zeigte seinerzeit einen «Anti-Faust». Es ist der vorletzte Teil von Petras’ Lausitz-Zyklus, in dem er unter anderem Hauptmanns Biberpelz in die Spreewaldkanäle versetzt hatte und mit Fühmann und Strittmatter die DDR-Literatur auf ihren Materialwert abklopfte. Das Finale bildet dann eine «Kirschgarten»-Bearbeitung im Kleinen Haus.
Jetzt versetzt er den Prinzen von Dänemark in die große Umbruchszeit und lässt ihn per Video mit Ophelia und Kinderwagen durch Plattenbau -seligkeit ziehen. Das ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Lukas Beeler rollt dramatisch die Augen. «Was einmal war, in allem Glanz und Schein / Es regt sich dort; denn es will ewig sein», deklamiert er mit bebender Stimme Verse aus Goethes «Faust 2», die als flackerndes Live-Video aus der Unterbühne ins Dortmunder Schauspielhaus projiziert werden, laut, dramatisch, direkt in die Kamera gesprochen. Und es dauert ein...
Mit hochgeschlossenem Trenchcoat stand sie auf der Trittleiter, die nirgendwo andockte, die Hände trotzig in den Manteltaschen, der Mund mit Tape verklebt: Hippolyta im Berner «Sommernachtstraum» Anfang 2022. Eine vergewaltigte Frau. Eine Amazone, die aus der Verwundung Kampfkraft zieht. «Wir Amazonen schneiden ab die Hälfte unsrer Weiblichkeit», sagte sie zu...
Arbeitet euch nicht an Wagner ab», schreibt Caren Jeß in ihrem Stück «Die Walküren», «arbeitet euch an eurer Rezeption ab.» Okay, wird gemacht. Ein besonders interessantes Beispiel für die Irrwege der Richard-Wagner-Rezeption ist die «Gruppe Wagner», ein privates Militär- und Sicherheitsunternehmen, das 2014 von den russischen Unternehmern Jewgeni Prigoschin und...
