Hamburg: Die rechte Richtung

Thalia Theater, Deutsches Schauspielhaus: Jelinek/Stephens «Wut/Rage» (U), nach Bunuel «Hysteria – Gespenster der Freiheit»

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Die Bilder, die der Fotograf Joel Goodman in der letzten Silvesternacht in Manchester aufgenommen hat, zeigen zwei Seiten desselben Ereignisses, sehr oft in ein und demselben Foto. Auf der einen herrscht Krieg, Chaos, Endzeitstimmung. Polizisten und Sanitäter versuchen, schreiende, prügelnde und kotzende Gestalten aus dem Verkehr zu ziehen, mitten auf der Straße schlafen Kerle ihren Rausch aus, am Bordsteinrand pinkeln und krümmen sich die Ausgeknockten.

Der Ausnahmezustand ermöglicht aber auch geradezu utopische Begegnungen zwischen Klassen und Ethnien: Blondes Chick flirtet mit schwarzem Chav, Nordengländerin knutscht mit Pakistani, gemischte Gruppen torkeln singend durch die Innenstadt.

Verständlich, dass diese dramatischen Fotos den Dramatiker Simon Stephens zu einem Stück – «Rage» – inspirierten. In losen Szenen spielt er immer wieder dasselbe Motiv durch: Was passiert, wenn Leute, die sich sonst aus dem Weg gehen, in regellos berauschtem Zustand aufein­andertreffen? Stephens wirft Schlaglichter auf sein nur flüchtig charakterisiertes Personal («Die mit dem Diadem», «Raucher») und balanciert es zwischen Gewalt und Erotik, Ressentiment und Faszination durch die Nacht, in der ...

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Theater heute November 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Eva Behrendt

Vergriffen
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