Nürnberg: Löcher in der Abwehr
Dass Ultras ihren Fußballclubs nicht nur schaden, sondern ganz im Gegenteil auch behilflich sein können, haben die Fans des 1. FC Nürnberg bewiesen. Sie – und nicht etwa Historiker oder vom Verein bestellte Rechercheure – holten ein lange verschwiegenes Kapitel aus der Geschichte des legendären Clubs hervor und präsentierten es in einer aufsehenerregenden Choreografie im Stadion während eines Spiels.
Erinnert wurde an das Schicksal von Jenö Konrad, der zwei Jahre lang bis 1932 Trainer war, als Jude ins Visier von Julius Streichers antisemitischem Hetzblatt «Der Stürmer» geriet und noch rechtzeitig ins Ausland fliehen konnte, bevor die Nationalsozialisten mehr als Rufmord an ihm begangen hätten. «Der Club war der Erste. Und muss der Erste werden», war Konrads Motto – die nachgeborenen Anhänger bezeugen ihm heute noch ihren Respekt dafür.
Eine gefundene Geschichte für Albert Ostermaier, dem glühendsten Fußballfan unter den deutschsprachigen Dramatikern. An Konrad faszinierte ihn die Persönlichkeit «auch abseits des Fußballs», und dass anhand seines Schicksals sichtbar werde, wie Feindbilder in einer radikalisierten Gesellschaft systematisch aufgebaut werden. «Linke Läufer (Erster ...
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