Mannheim: Burn-out im Wasser
Ein Mann trifft eine Frau. Trifft? Naja. Fischt sie aus dem Meer nach ihrem Suizidversuch oder «Burn-out im Wasser», wie sie es nennt. Er ist Deutscher, sie Türkin, beide urlauben im Mai am Kalami Beach auf Korfu. Und sie verlieben sich, natürlich, vor roten Felsen und wogenden Wellen. Doch dann ist sie, die sich unfruchtbar wähnte, plötzlich schwanger. Erzählt dies, flirrend, mit geweiteten Augen: Ein Wunder ist geschehen! Er aber stoffelt nur ratlos herum um dieses Wunder, blass, blond, helläugig, leicht hypochondrisch und wortreich in sich vergraben, wie die Deutschen eben so sind.
Vieles kommt einem sehr bekannt vor im neuen Stück des 25-jährigen Autors Akin E. Sipal, «Kalami Beach», das am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde: der Urlaubsflirt, die Leichtigkeit des Anfangs, die ungleichen Liebenden, die vom plötzlich hereinbrechenden Ernst der Lage auf sich selbst zurückgeworfen werden. Wenn Erzählungen, wenn Kunst uns das Universum ein bisschen weiter aufschließen soll, uns Unbekanntes öffnen oder zumindest unbekannte Perspektiven, so wird an diesem Abend allenfalls geremixt und gesampelt. Zuletzt wurde 2015 ebenfalls in Mannheim Sipals «Santa Monica» uraufgeführt, ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die AfD stürmt die Landtage, der sogenannte IS attackiert europäische Werte und vermeintliche Sicherheiten, die postkoloniale Gegenwart holt uns in Form von Millionen Flüchtenden ein, und im Kino haben Superhelden und andere Weltretter Hochkonjunktur. Kein Wunder, dass Thomas Köcks «paradies fluten (verirrte sinfonie)» den sicheren Weltuntergang gleich an den...
Von Wuppertal kann man lernen, was man in der Kulturpolitik alles falsch machen kann. Und der Stadt ist tatsächlich etwas Neues eingefallen. Mithilfe eines Gutachtens der Unternehmensberatung Actori hat man die erst seit 2014 amtierende Schauspielintendantin zur vorzeitigen Vertragsauflösung genötigt. Was als Neuanfang zu reduzierten Bedingungen geplant war, wird...
Die Theaterzeitschrift
im 57. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44 95...
