Haltung und Unterhaltung
Auf dem Land braut sich was zusammen. Die Bauern kommen mit den Kostensteigerungen nicht klar, außerdem finden sich kaum willige Erntehelfer, und rechte Kreise versuchen, die Unzufriedenheit zu nutzen. Aufruhr wird angezettelt, manche bewaffnen sich, es wird vom Umsturz gemunkelt. Wir schreiben das Jahr 1923, und die Parallelen zur Gegenwart sind augenfällig. So augenfällig, dass man schon wieder skeptisch werden könnte – das passt einfach zu gut.
Jedenfalls beweist die Dramaturgie am Hamburger Thalia Theater einen guten Riecher, Hans Falladas Weimarer-Republik-Sittengemälde «Wolf unter Wölfen» im Winter 2024 auf die Bühne zu bringen: Rechts beseelte Bauern, die die Demokratie aushebeln wollen, vermitteln reizvollen Politgrusel, wenn parallel dazu echte Bauern mit ihren Traktoren den Jungfernstieg blockieren. Und wenn man weiß, wo die Unzufriedenheit mit den Umständen zu Falladas Zeit am Ende hinführte, dann raunt auch ein Theaterspielplan von der Gegenwärtigkeit eines 100 Jahre alten Stoffs.
Zehn Jahre davor
Luk Perceval allerdings weiß, dass er schon auf der Inhaltsebene extrem viel Gegenwartsbezug zur Verfügung hat, da muss er die Inszenierung gar nicht mit Verweisen aufs Heute ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Falk Schreiber
Der Mount Everest, benannt nach einem britischen Geodäten und Offizier, der dereinst die Vermessung des Subkontinents Indien leitete, ist der höchste unter den vierzehn Achttausendern. Dass er zunächst nur Peak XV hieß, erfährt man zu Beginn des Theatertextes, der kurz darauf auch preisgibt, dass die Ehre der Namenspatenschaft eigentlich einem «blitzgescheiten...
Herzlich willkommen in meiner Kolumne. Schön, dass Sie es in den zweiten Satz geschafft haben. Ich war mir bei dem Titel nämlich wirklich nicht sicher. Meinen inneren Zweifeln und verantwortungsbewussten Ansprüchen zum Trotz wollte ich ihn aber unbedingt stehen lassen. Denn in ihm spiegelt sich die Quintessenz dieser Kolumne. Warten Sie ab.
Im Dezember hörte ich...
Drei Romane – drei Weltentwürfe, zwei davon fast parallel vor hundert Jahren im Echoraum des Ersten Weltkriegs entstanden, der dritte erst 2023 und um den sozialen Kahlschlag von den 1980ern bis heute kreisend, haben im Februar (ganz unabhängig voneinander) den Weg auf die drei großen Münchner Schauspielbühnen gefunden. Am Volkstheater startete Claudia Bossard mit...
