Rein in die Theatereingeweide

Ariane Koch «Kranke Hunde» am Schauspielhaus Basel

Theater heute - Logo

Die OP läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein runder Vorhang schirmt sie nach außen ab. Der Assistenzarzt aber gönnt uns einen Blick ins Allerheiligste, der Vorhang öffnet sich. Da sehen wir ihn liegen, den armen Poch, Diagnose: totale Erschöpfung. Mehr weiß man nicht, aber operieren muss man doch.

Wie wäre es mit einer Transplantation des Kopfes auf einen neuen Rumpf?

Der Assi zoomt mit der Kamera unerbittlich durch die offene Bauchdecke in die Eingeweide des Patienten hinein (nicht sehr realistisch, zum Glück), die Projektion verlagert sich auf die Rückwand des OP-Saales. Doch dann steigt Poch aus, und als sich der Vorhang um den OP-Saal im Basler Schauspielhaus ein zweites Mal öffnet, liegt dort zwar noch sein Körper (mit Puppenkopf), aber Marie Löcker steht neben sich, sozusagen, und sucht als Pochs Hirn nach einem Ausweg aus der Krankheit.

Regisseur Sebastian Nübling hat für seine Uraufführung von «Kranke Hunde» das Werk der Hausautorin Ariane Koch sehr frei interpretiert. Dass Kochs Poch ein Windhund ist, der beim Wettrennen einfach umfällt – geschenkt. Es dauert lange, bis überhaupt das Wort «Hund» fällt, und es bleibt bis zum Schluss ein Dranklebsel an das, was ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2024
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Valeria Heintges

Weitere Beiträge
Männer mit und ohne Fantasie

Wir leben in unruhigen Zeiten. Überall auf der Welt kämpfen gerade sehr mächtige Männer mit allen Mitteln um ihren Platz oben in der Rangordnung. Nicht, dass es jemals groß anders gewe -sen wäre, aber es hat Zeiten gegeben, in denen sie zumindest in unserer Demokratie etwas ruhiger, eingehegter, zivilisierter waren. In Berlin nähern sich zwei Inszenierungen dem...

Die Schöne und das Biest

Als Elisabeth Trissenaar und Hans Neuenfels Anfang der Achtziger, damals schon seit bald zwanzig Jahren ein Künstlerlebenspaar, ans Westberliner Schillertheater kamen, eroberte «die Trissenaar» die schaubühnenverwöhnte Mauerstadt mit einer überrumpelnden Doppelgesichtigkeit: als weißgewandete und traumschön gelockte Iphigenie samt edlem Gesten- und...

Die unsichtbare Macht

Luis Buñuel entlarvte in seinen surrealistischen Filmen oft die bürgerliche Klasse, ihre Konventionen und ihre Selbstbezogenheit. Sein «Würgeengel» von 1962 ist bereits die zweite Bühnenadaption eines Buñuel-Films der Regisseurin Claudia Bauer. Wie bereits 2022 («Der diskrete Charme der Bourgeoisie») inszeniert sie eine Bühnenbearbeitung von PeterLicht und SE...