Hallo, Wut!
Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen Mittelstandsfamilie betrachtet werden kann, die da zwei Stunden lang vor einem auf- und abschreitet.
Anna Bergmann ist die Regisseurin der deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes, es ist ihre zweite Arbeit an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin. Mit ihrer ersten, einer Adaption von Ingmar Bergmans Psychodrama «Persona», war sie 2019 zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden. Das Stück wiederum stammt vom US-amerikanischen Gegenwartsdramatiker Noah Haidle und hatte wenige Woche vorher am Broadway Premiere. Corinna Harfouch, die auch schon in Bergmanns erster DT-Inszenierung eine der beiden Hauptrollen gespielt hat, verkörpert die Hauptfigur Ernestine, und als Zuschauerin begleitet man sie 90 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Haidles Trick, um eine so lange Zeitspanne auf begrenztem Raum zu ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anna Fastabend
Sie warnte vor Putin – und musste ins Gefängnis», titelte Ende April die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Gemeint war die US-amerikanische Whistleblowerin Reality Winner, die im Mai 2017 einen fünfseitigen Geheimbericht der NSA über die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf 2016 leakte – während sich Donald Trump, damals Präsident der...
Wer sollte in Joshua Sobols «Ghetto» Jacob Gens spielen, den jüdischen Polizeichef und Herrn über Leben Tod im Wilnaer Ghetto 1942/43, den Mörder und Kollaborateur mit den Nazis, der sich die Hände schmutzig machte und viele in den Tod schickte, um einige vielleicht zu retten oder ihnen vielleicht wenigstens noch eine Gnadenfrist zu erhandeln? Peter Zadek fragte...
Es war eine Art Klassentreffen des freien belarussischen Theaters, was das Festspielhaus Hellerau mit seinem Festival «Nebenan/Побач. Unabhängige Kunst aus Belarus» unter der kuratorischen Leitung von Johannes Kirsten organisiert hatte. Denn seit der brutal unterdrückten Revolution vom Herbst 2020 gegen die Wahlfälschungen von Dauerdiktator Lukaschenko befindet...
