Hallo, Wut!
Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen Mittelstandsfamilie betrachtet werden kann, die da zwei Stunden lang vor einem auf- und abschreitet.
Anna Bergmann ist die Regisseurin der deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes, es ist ihre zweite Arbeit an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin. Mit ihrer ersten, einer Adaption von Ingmar Bergmans Psychodrama «Persona», war sie 2019 zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden. Das Stück wiederum stammt vom US-amerikanischen Gegenwartsdramatiker Noah Haidle und hatte wenige Woche vorher am Broadway Premiere. Corinna Harfouch, die auch schon in Bergmanns erster DT-Inszenierung eine der beiden Hauptrollen gespielt hat, verkörpert die Hauptfigur Ernestine, und als Zuschauerin begleitet man sie 90 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Haidles Trick, um eine so lange Zeitspanne auf begrenztem Raum zu ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anna Fastabend
Im Herbst 2005 hielt sein Orgien-Mysterien-Theater Einzug in Öster -reichs höchster Weihestätte für dramatische Kunst: im Burgtheater. Viele Stunden lang wurde – auf penibel abgedeckten Bühnen, Wegen und Sitzen – unter Aufsicht des Meisters prozessiert, Geschlachtetes aufgebahrt und an Kreuzen aufgerichtet, in Bottichen vol -ler Gedärme gewühlt und mit Blut...
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