Tanzen, bis die Göttin kommt
«Jedenfalls, das Ende war ziemlich misslungen», stellt die Göttin Nummer eins fest. «Der Anfang ja auch», gibt ihre Kollegin, die Allmächtige Nummer zwei, zu bedenken. Und Nummer drei räumt freimütig ein, sich an den Anfang «gar nicht mehr erinnern» zu können. Daran, dass sich – kaum, dass die Erlauchten es mal wieder über sich gebracht haben, das erleuch -tete Auge auf die Erde zu richten – seit Ewigkeiten der immergleiche depressive Strudel auftut, ist natürlich «das Mensch» schuld.
Das hört in Miroslava Svolikovas Stück «GI3F (Gott ist drei Frauen)» auf den ausdrücklich unmarkanten Namen Jens und rattert von keines Gedankens Blässe angekränkelt seine Negativbilanz herunter: Drachen getötet, Sümpfe trockengelegt, despotisch geherrscht, geplündert und gemordet, aber hey, schließlich auch Gewerkschaften gegründet.
«Die Menschen verstehen mich ja nicht», kann da die arme personifizierte Erde (Oliver Niemeier), die augenscheinlich ermattet in einem Lichtkegel liegt, nur stöhnen. «Ich versuche immer, mich verständlich zu machen, aber sie hören mich nicht … schreien.»
Überraschender als diese wissenschaftlich verbrieften Diagnosen und Bekenntnisse zum menschengemachten ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Christine Wahl
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