Hallo, ist wer da?
hallo/hört uns jemand?/kann uns jemand», «ist wer/ist wer da?», «wir .../ – /wir sehn wir spürn nicht ob da wer» (…) «sind wir/sind wir allein?/da draußen»: Zu Beginn von Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» (Stückabdruck TH 12/19) reden verschiedene Stimmen, allesamt «eine*r» genannt, in die Dunkelheit des Zuschauerraums. So will es der Autor im Text, so inszeniert es Nora Schlocker in der Münchner Uraufführung.
Namenlose Alltagsmenschen fragen nach etwas außerhalb ihrer selbst: nach einem physischen Gegenüber, nach einer göttlichen Instanz, nach einer Erklärung für das Gewusel auf Erden, dessen Teil sie nur für eine begrenzte Zeit sind.
Es ist merkwürdig, diesen Stück-Anfang noch einmal zu lesen, jetzt, wo die Mülheimer Theatertage genau wie viele andere Festivals in diesem Frühjahr und Sommer abgesagt sind. Die Höhepunkte der Saison, die sonst alljährlich künstlerische Kraft und Vielfalt der Theaterszene bündeln und stolz präsentieren, finden nicht statt. Oder wenn, dann nur als bescheidene Online-Formate ohne das leibhaftige Zusammentreffen von Künstler*innen und Publikum. Ohne das Festliche, wenn man so will. Der Auftakt der «Verlorenen» scheint die der Corona-Pandemie ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Mülheimer Stücke, Seite 32
von Eva Behrendt
Die Thesen des kamerunischen Historikers und Politikwissenschaftlers Achille Mbembe haben Hochkonjunktur. Seine politischen Visionen einer Weltgemeinschaft, die sich kolonialer Strukturen entledigt hat, faszinieren. Sie formulieren nicht nur entscheidende Ideen für den gesellschaftspolitischen Diskurs, sondern teilen indirekt den Künsten eine Schlüsselrolle zu,...
Im November 1970 nimmt Peter Brückner, Professor für Psychologie an der TH Hannover, eine Zufallsbekanntschaft mit nach Hause. Ob ihm klar ist, dass es sich hier um Ulrike Meinhof handelt, ist strittig, jedenfalls gerät Brückner ins Visier der Polizei, verliert zeitweilig wegen des Radikalenerlasses seine Anstellung und wird in der Folge von der Boulevardpresse als...
Die ersten Minuten passiert nichts. Ein buntes Bühnenbild, ein wallendes Laken an der Decke, es dominiert die Farbe Rosa. Eine Höhle? Im Innern des Schweinebauchs? Schließlich betreten fünf Performer die Bühne und beschreiben Menschen, die sie in den vorausgehenden Minuten offenbar im Publikum beobachtet haben. Bewegungen, Kleidungsstücke, Gespräche, Frisuren. Das...
