Händchen für Handke
Zum ersten Mal wurde eine Handke-Inszenierung von Friederike Heller vor zwei Jahren nicht zum Theatertreffen eingeladen. Damals hatte die junge Regisseurin den grantigen «Untertagblues» frech und sehr überzeugend als zeitgenössische Publikumsbeschimpfung inszeniert. Am selben Ort (Akademietheater) und mit demselben Hauptdarsteller (Philipp Hochmair) bewies Heller mit «Die Unvernünftigen sterben aus» in dieser Spielzeit erneut, dass sie ein Händchen für Handke hat.
Die 1974 uraufgeführte Kapitalismusfarce ist ein «missing link» zwischen Handkes sprachkritischem Frühwerk und dem hohen Ton der späteren Dramen. Äußerlich ist das ein ganz konventionelles Stück mit Figuren, Dialogen und Szenenanweisungen, aber anstelle von psychologisch-realistischem Theater wird ein ironisch-philosophisches Gedankenexperiment geboten. Im Grunde handelt das Stück von der «Selbstfindung» eines Mannes; wobei der Witz darin besteht, dass sich das Drama nicht im dazu passenden WG-Milieu, sondern auf der Chefetage abspielt. Die Pointe: Der Ego-Trip des Protagonisten, des melancholischen Unternehmers Hermann Quitt, erweist sich als perfekte Strategie im kapitalistischen Verdrängungswettbewerb.
Heller inszeniert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer nach einer schnellen, runden, konsumablen «Perser»-Interpretation sucht, die das antike Drama auf ein paar gängige Aktualisierungen herunterbricht und als gutverdauliche 90-Minuten-Terrine serviert, ist mit Dimiter Gotscheffs Inszenierung (siehe TH 11/06) eindeutig schlecht beraten. Keine saloppe Verstehens-Anbiederung, die so tut, als wäre Aischylos’ Tragödie...
Die Verlockung muss groß sein, vielleicht, weil der Stoff so gewaltig ist und Tantiemen birgt. Nach Moritz Rinke (seit 2002 in Worms), Helmut Krausser («Unser Lied»), Marc Pommerening («die nibelungen. melodram») und einigen weniger Autorschaft beanspruchenden Hebbel-Bearbeitern (wie zuletzt Andreas Kriegenburg) hat nun Oliver Schmaering ein weiteres...
Viel Staat war nicht mehr zu machen mit dem Staatstheater. Die traditionsreichen Darmstädter Bühnen – ihre Geschichte reicht bis in die Zeiten des Landgrafen Ludwig V. im frühen 17. Jahrhundert zurück – hatten 1972 einen opulenten Neubau bekommen, ein Dreispartentheater mit Großem und Kleinem Haus, üppigem Raumprogramm für Werkstätten und Requisite und einer der...
