Griechische Verhältnisse

Alltag im Ausnahmezustand: Eindrücke vom diesjährigen Athen- und Epidauros-Festival

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Vielleicht wird ja eine neue griechische Regierung der Zukunft Yorgos Loukos zum Kulturminister machen. Wie er das Epidauros-Festival durch Krise und Angst steuert, ist erstaunlich. Wie schon in den vergangenen Jahren dominieren im Programm die griechischen Produktionen. Es gab einige künstlerische Höhepunkte eines jungen griechischen Theaters zu sehen. Auf dem kleinen und wenig beachteten Klaftimonos Platz in der Innenstadt hat Prodromos Tsinikoris eine sehr persönliche Begegnung mit Athener Obdachlosen installiert. Der Besucher wird mit einem Kopfhörer versehen.

Und das Ganze geht los wie eine der vielen geführten Touren. Die Stimme, die mich auffordert, in den Buchladen an der gegenüber­liegenden Kreuzung zu treten und mich dann an diesen Ort begleitet, ihn mit mir neu entdeckt, ist die eines Obdachlosen. Zunächst erfährt man etwas über seine Beziehung zu Athen, zu bestimmten Orten der Stadt, dann über seine Lebensbedingungen auf der Straße und was ihn in diese Lage gebracht hat. Ich kann ihm Fragen stellen und er sagt mir, wo ich ihn finde. Er ist Türke, kam vor 20 Jahren nach Griechenland, verlor in der Krise seine Arbeit. Bald fühlt man sich nicht mehr als Theaterbesucherin, ...

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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Stefanie Carp

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