Goethic Rocker

Goethe «Werthers Leiden» und «Clavigo» (Kammerspiele und Bockenheimer Depot, Schauspiel Frankfurt)

Liebe zu dritt ist ein erstrebenswerter Zustand, wenn es nach der Berliner Combo «Stereo Total» geht. In Frankfurt führt ihr beschwingtes Loblied «L’amour à trois», das die Zuschauer schon beim Eintritt in die Kammerspiele beschallt, aber in die Irre. Der Protagonist des Solo­abends frei nach «Werthers Leiden» ist nämlich alles andere als ein fröhlicher Verfechter von Dreiecksbeziehungen. Wobei er sie vielleicht akzeptieren würde, wenn ihn die geliebte Lotte überhaupt ranließe.

So aber schwelgt Goethes berühmter Werther seit mehr als zwei Jahrhunderten in unerfüllter Liebe, um sich zum Schluss eine Pistole an die Schläfe zu setzen.

In Frankfurt wird das Abdrücken allerdings nur angedeutet, der Schuss bleibt aus, nur das Licht verlöscht. Allerdings ist der Schluss an diesem Abend sowieso nicht besonders relevant und genau genommen auch Goethes Briefroman nicht, denn in den 60 größtenteils kurzweiligen Minuten geht es in erster Linie um eins – bzw. einen: den Schauspieler Isaak Dentler. Das Publikum scheint daher auch nicht aus den üblichen Abonnenten, Schulklassen oder Literaturinteressierten zu bestehen, sondern aus Dentler-Fans, die bei jedem Gag jauchzen und sogar während der ...

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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Paula van Bergen

Vergriffen
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