Glasperlen im Nebel

Jon Fosse «Ich bin der Wind»

Theater heute - Logo

Zwei Männer auf Segeltörn, auf dem trunkenen Schiff: Der Eine und Der Andere. Wir vermuten, dass das nur zwei Namen sind für ein- und denselben, nämlich den Autor. Jon Fosse schreibt hier sein poetologisches Programm als Stück auf. Könnte man sagen. Ziemlich kurze Pause. Vielleicht auch nicht. Pause. Oder doch. Kurze Pause.

Nach diesem Abend fühlt man sich gleich ein Stück älter, weil man denkt: Dieses Alles-ist-möglich-und-interessant-Gefühl ist total neunziger Jahre. Aber wie gesagt, man könnte auch sagen, das sei ein poetologisches Programm.

Der Andere sagt dann etwas wie: «Alles ist irgendwie ausgedacht, gemacht, irgendwie, alles passiert trotzdem in Worten ...» Der Gedanke als Tat, das Wort als Aktion. Der Andere ist Fosse, der Fosse zu verstehen sucht – Leser, Zuschauer seiner selbst. Und Der Eine wäre dann wohl Fosse, der schreibt. Der Dinge sagt wie: «Ich mag es leicht zu sein.» Oder auch das Gegenteil. Worte als Worte. Ohne Gewissheit von Sinn. Der Eine – der Autor – verschwindet am Schluss (er ist ja auch der Wind). Der Andere – der Zuschauer – kämpft einsam um sein Leben. Eine hübsche, hauchdünn absurde Pointe.

Man kann die Pointe und den Titel des Stückes auch als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2009
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Tobi Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Glück der Deutschen

Adolf Hitler war ein verschrobener Kerl, dem die Hände zitterten. Andreas Baader war ein ungehobelter Macho, der gern mit Pistolen fuchtelte. Claus Graf Stauffenberg war ein Aristokrat der Tat, der beinahe das Schicksal ausgebremst hätte. Die DDR war ein dekadentes Funktionärsregime, in dem Kunst nur der Anbahnung von Sex diente. Die DDR war ein Paradies mit...

Ein Baum, der zweifelt

Zum Schluss sitzen da zwei Menschen erschöpft nebeneinander, ein Paar, das sich nichts geschenkt hat, sichtlich abgekämpft, aber dennoch ein Paar. Er schocksteif, mit schreckgeweiteten Augen und noch immer festgezurrter Krawatte, sie, im blutrot geblümten Abendkleid, leicht derangiert, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Wüsste man nicht, dass gerade jeder von...

Achtung, Rollatoren-Rowdys!

Wo Löhle drauf steht, kann auch Loriot drin sein. Im neuen Stück des hochproduktiven Wahl-Berliners geht ein frischgebackener Rentner seiner Gattin mit seiner neuen Dauerpräsenz gehörig auf die Nerven, was zu folgendem Dialog führt: «Was machst du da?» «Ich? Nix. Wieso?» «Ist dir langweilig?» «Wie kommst du darauf?» «Schau dir mal zu.» «Ich lümmle.» «Du lümmelst.»...