Die Kraft der großen Erzählungen
Theater heute Ob «Baader Meinhof Komplex» oder «Operation Walküre», ob Armin Petras’ «Rummelplatz» oder Volker Löschs «Wunde Dresden» – Filme und Theaterinszenierungen fangen wieder an, deutsche Geschichten, deutsche Geschichte zu erzählen. Wenn man begriffstechnisch etwas höher greift, kann man übergreifende historische Großerzählungen auch Mythen nennen. Herr Professor Münkler, Sie haben gerade ein großes Buch über «Die Deutschen und ihre Mythen» vorgelegt, in dem es um diese Schnittstelle von Geschichte und Erzählung geht.
Was sind Mythen, und wozu brauchen wir sie?
Herfried Münkler Mythen erzählen historische Ereignisse und literarische Stoffe in der Regel in einer wenig komplizierten Weise nach. Sie vereindeutigen dabei, und sie nehmen Bezug sowohl auf Geschichte als auch auf Literatur. Im Fall der politischen Mythen dienen sie zum Zweck der Identitätsstiftung eines Gemeinwesens, eines politischen Verbandes, aber darüber hinaus dienen sie als Orientierung für die Zukunft, schaffen also Vertrauen und Zutrauen, dass die bevorstehenden Aufgaben gemeistert werden können.
TH Ein bisschen zugespitzt könnte man auch von nationaler Sinnstiftung sprechen.
Münkler Das kann so sein, ...
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Theater heute April 2009
Rubrik: Deutschland, Deine Mythen, Seite 4
von Eva Behrendt, Franz Wille
Sechzig Jahre Bundesrepublik und zwanzig Jahre Mauerfall nimmt das Londoner Royal Court Theatre zum Anlass für einen Blick auf Deutschland und seine aktuelle dramatische Lage. In seiner «Off The Wall»- Minispielzeit zeigt es die Uraufführung von Mark Ravenhills Stück «Over There», das den Nachwirkungen der deutschen Teilung nachgeht, und die britische...
Die Familie Gollwitz hat einen Vogel. Einen ziemlich großen sogar. Links neben dem roten Sofa hängt eine überdimensionale Papageienschaukel, rechts prunkt ein Meisenknödel im Netz, Durchmesser: gut ein halber Meter. Das liebe Vieh aber steht vorn an der Rampe, federt locker im Kniegelenk und krächzt flügelschlagend ins Publikum: «Gudn Aahmd!»
Der Schauspieler und...
Dreimal genäht hält besser, mag sich Nina Ender gedacht haben, als sie den Alptraum des Wissens in gleich drei Fälle gebannt hat, die sie lebens- und erzähltechnisch aufwändig verknüpft. Die Französischlehrerin Paula hatte eine Spätabtreibung wegen einer Trisomie-21-Diagnose, die sie gehörig aus der psychischen Bahn wirft. Schlimm. Außerdem ist sie mit einem...
