Gilberte pour toujours

Ein Nachruf auf Anne-Marie Blanc, die 89-jährig in Zürich gestorben ist

Theater heute - Logo

War es dies etwas verhaltene Mädchenlachen, ein Versprechen von welschem Charme? Oder ihre streng aufrechte Haltung, die von protestantischer Disziplin erzählte? Als Gilberte de Courgenay in Franz Schnyders gleichnamigem Debütfilm spielte sich Anne-Marie Blanc 1941, gerade 22 Jahre alt, in die Herzen eines schweizerischen Publikums, deutsch und welsch – und da blieb sie. Es wird aus heutiger Perspektive vielleicht nicht mehr recht einsichtig, warum ausgerechnet dieser eher arglose Film zur Symbolerzählung einer Generation taugen sollte.

Aber vor dem Hintergrund der «Geistigen Landesverteidigung» konnte Anne-Marie Blanc darin als couragierte jurassische Wirtstochter Soldaten vor und auf der Leinwand moralisch aufrichten und zu einer Art Mademoiselle Helvetia, zur nationalen Ikone werden. Es ist schon so: Noch heute können in der Schweiz alle, auch Leute, die kaum ins Kino oder Theater gehen, das Liedlein von Hanns In der Gand mitsummen: «C’est la petite Gilberte, Gilberte de Courgenay; elle connaît trois cent milles soldats, et tous les officiers …»

Es war ihr Lied, und es wurde die Rolle ihres Lebens. Nicht ohne Koketterie hat Anne-Marie Blanc erzählt, wie es dazu kam: Wie sie für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Andreas Klaeui

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aktien zu Eintrittskarten

Wenn sich die Aktionäre der Daimler AG am 8. April im Internationalen Congress Centrum Berlin treffen, führt zwar die Abteilung Investors Relations der schwäbischen Autoschmiede Regie, aber sonst gibt es alles gratis, was Rimini mühsam beschaffen müsste: unzählige Experten des Alltags, in diesem Fall sechs Daimler-Vorstände, 20 Aufsichtsräte und viele, viele echte...

Gegenkritik: Peter Kastenmüller

Peter Kastenmüller Da ist so ’ne Rubrik in «Theater heute» ... wenn man Prügel bekommen hat, melden die sich und sagen, hätten Sie mal Lust …

Ulrich Peltzer Du sollst was zu der Inszenierung von «Schwarz Gold Rot» sagen?

KastenmüllerMach ich natürlich nicht, aber ich hab gedacht, ich ruf mal an und red mit dir über Kritik.

Peltzer Klar.

Kastenmüller Liest du Kritiken?

...

Das Kind im König

Wie Burgtheaterkollege Peter Simonischek, der in Graz den Baumeister Solness spielt, gastiert nun auch Udo Samel in der österreichischen Theaterprovinz: In «König Lear», Peter Konwitschnys erster Schauspielinszenierung seit Jahrzehnten, spielt er die Titelrolle. Samel als Lear? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Der Schauspieler, der zuletzt hauptsächlich...