Bis später, Otto
Ein Alptraum: Der Schaffner im Zug fragt den verschmitzt aussehenden älteren Herrn nicht nach dem Ticket – sondern nach der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. «Are you the Gestapo?», antwortet der, panisch.
Wie gesagt: nur ein Traum, aber er etabliert gleich zu Beginn von Jan Schüttes Film «Bis später, Max» zwei Themen. Das eine färbt den Hintergrund ein: Max ist Jude, das ist seine Vergangenheit. Und Max ist besessen, vom Sex, das ist seine Gegenwart, und sie ist zum Glück viel stärker als jede Gestapo-Erinnerung.
Doch leider ist Max nicht mehr der Jüngste, eher 80 als 70, und er hat Prostatabeschwerden. Auch sein Arzt, und das ist kein Traum mehr, fragt ihn, milde augenzwinkernd, nach der Häufigkeit seines Geschlechtsverkehrs. Aber ja doch, Max Kohn, der Schriftsteller, hat Geschlechtsverkehr! Wenn auch vielleicht nicht mit Reisel (Rhea Perlman), seiner liebend besorgten und mordseifersüchtigen Lebensgefährtin, die ihm den Koffer packt für seine Lesereisen und seine kleinen Verwirrtheiten und Vergesslichkeiten ausgleicht. Aber, zum Beispiel, auf einer solchen Reise nach einer Lesung vor leeren Reihen mit seiner ehemaligen Studentin Rosalie, der attraktiv desillusionierten ...
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